Variantenvergleich im Eisenbahnwesen. Das Plausibilitaetsverfahren als neuer Ansatz

Die Planungsarbeit fuer Eisenbahnprojekte ist seit etwa 20 Jahren durch die Diskrepanz zwischen der Schnelllebigkeit in der oeffentlichen Meinung und dem Nutzungshorizont fuer Infrastrukturprojekte gepraegt. Im 1989 beschlossenen oesterreichischen Eisenbahn-Hochleistungsstreckengesetz (HLG) ist ein Anhoerungsverfahren fuer die vom jeweiligen Projektentwurf betroffenen Laender und Gemeinden vorgesehen. Nach der Festlegung von Zielsystemen fuer die Aspekte Raum und Umwelt sowie fuer Verkehr und Technik ist eine Gewichtung der Teilziele vorzunehmen. Die Wirkungsanalyse ist dafuer ein geeignetes Bewertungsverfahren. Erprobt sind die beiden Ansaetze Gewichtung fuer einzelne Teilziele und Variation von Zielerfuellungsgraden. Die Ergebnisse von solchen Bewertungsverfahren werden von Massenmedien und Politikern dennoch oft angezweifelt. Im September 1990 uebernahm der Autor die Aufgabe, ein Eisenbahnprojekt, das in einem ersten Anhoerungsverfahren nach dem HLG seitens des betroffenen Landes kritisiert worden war, neu zu konzipieren und die Anrainerbevoelkerung in die Planungsprozesse zu integrieren. Mit dem Plausiblitaetsverfahren ist es gelungen, die Bewohner des Projektgebietes weit ueber die bisherigen Usancen hinaus in die Projektarbeit einzubinden und damit eine breite Basis fuer Konsensfindung und -erhaltung zu schaffen. Es ging dabei darum, die ingenieurmaessige Arbeit - insbesondere jene Anteile der Planungstaetigkeit, die subjektive Anteile enthalten - fuer die Bevoelkerung verstaendlich und nachvollziehbar zu machen. Die umweltrelevanten Kriterien wurden gemeinsam mit Buergerinitiativvertretern definiert. In einem zweiten Schritt wurde in den betroffenen Bezirken eine Haushaltsbefragung durchgefuehrt. Zur Gewichtung der Umweltkriterien bekamen die Haushalte Bewertungsboegen, mit deren Hilfe insgesamt 100 Punkte je nach Wichtigkeit auf 10 Kriterien zu verteilen waren. In aehnlicher Weise wurde bei der Ermittlung des Bewertungsprofils Verkehr und Technik vorgegangen. Die Oeffentlichkeit war in diesem Fall durch die Fachdienststellen des spaeteren Anlagenbetreibers repraesentiert. Anschliessend wurde die Zielerfuellung jeder Variante fuer jedes Kriterium nach objektiv messbaren Groessen ermittelt und schliesslich die Entscheidung getroffen. (KfV/A)

  • Authors:
    • OSTERMANN, N
  • Publication Date: 2002

Language

  • German

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Filing Info

  • Accession Number: 01204777
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 8:07PM