Risikoorientierte Praemiendifferenzierung in der Kfz-Haftpflichtversicherung. Erfahrungen und Perspektiven

Neuere empirische Studien und auslaendische Erfahrungen zeigen, dass durch eine Risikodifferenzierung in der Kfz-Haftpflichtversicherung Anreize zur Verbesserung der Verkehrssicherheit gesetzt werden koennen. Ansatzpunkte hierfuer bestehen vor allem darin, - das verkehrsgefaehrdende Verhalten und nicht erst den Unfall mit Praemienzuschlaegen zu sanktionieren, - unmittelbar den verantwortlichen Fahrer mit dem Bonus zu belohnen beziehungsweise mit dem Malus zu bestrafen und - nicht nur den Unfall, sondern auch die Unfallschwere im Malus zu beruecksichtigen. In diesem Gutachten werden die Moeglichkeiten geprueft, die Ausgestaltung der Praemiendifferenzierung in der Kfz-Haftpflichtversicherung verstaerkt zur Verbesserung der Verkehrssicherheit einzusetzen. Dazu wird auf der Grundlage einer theoretischen und empirischen Bestandsaufnahme der Praemiendifferenzierung in der Kfz-Haftpflichtversicherung untersucht, ob und wie Praemienzuschlaege an die Auffaelligkeit im Verkehrszentralregister geknuepft werden koennen. Empirische Analysen zeigen, dass mit Hilfe der Eintragungen im Verkehrszentralregister (VZR) eine gute Vorhersage ueber ein zukuenftig erhoehtes individuelles Verkehrsrisiko getroffen werden kann. Im Begleitprojekt des Kraftfahrt-Bundesamtes zu dieser Studie zeigen sich dabei enorme Unterschiede der individuellen Risikodisposition, die den Faktor 10 oder gar 20 deutlich uebersteigen. Dort wird auch gezeigt, dass mit der Kombination der drei Risikomerkmale Geschlecht, Alter und Anzahl der VZR-Eintragungen eine umfassende Risikodifferenzierung in der Kfz-Haftpflichtversicherung erreicht werden kann. Eine gute Risikodifferenzierung waere in der Kfz-Haftpflicht also ohne "Tarifdschungel" auf Basis einfach ueberpruefbarer Tarifmerkmale prospektiv moeglich. Der Gesetzgeber kann ein VZR-punktebasiertes Modell der Praemiendifferenzierung aus europarechtlichen Gruenden nicht vorschreiben. Die Versicherer koennen aber ein solches Modell auf freiwilliger Basis ohne Weiteres einfuehren. Den Anforderungen des Bundesverwaltungsgerichts nach einer willkuerfreien Differenzierung der Praemien wuerden alle hier diskutierten Modelle genuegen. Als auf Freiwilligkeit basierendes System der Praemiendifferenzierung verletzt es auch weder das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, noch das Datenschutzrecht. Das punktebasierte Modell der Risikodifferenzierung erweist sich damit als wirksam und praktikabel. Ob es sich tatsaechlich am deutschen Markt durchsetzt, haengt von der Bereitschaft der Versicherungsunternehmen ab, ein solches Modell zu erproben. Einfache Modelle, wie der hier entwickelte Regeltreuerabatt, koennten als erster Schritt im Wettbewerb zu einem Sogeffekt fuer andere Versicherer fuehren und damit eine sukzessive Verfeinerung der verhaltenbezogenen Risikodifferenzierung in der Kfz-Haftpflicht einleiten. (A) Schlussbericht zum Forschungsprojekt 82.204/2001 (ITRD-Nummer D707360) der Bundesanstalt fuer Strassenwesen. Titel in Englisch: Risk-orientated premium differentiation in liability insurance. The ENGLISH ABSTRACT is available at http://www.bast.de/htdocs/veroeffentlichung/kurzfass/m160.htm.

Language

  • German

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  • Accession Number: 01204683
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 8:05PM