Individuelle Werthaltungen

Anhand eines speziell fuer das Jugendalter entwickelten Werteinventars wurden die privaten und gesellschaftlichen Werthaltungen der im Projekt "Mobilitaet und Individuelle Entwicklung" befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen ermittelt. Zunaechst wurde die Struktur des Werteraums bei den Jugendlichen und seine Stabilitaet beschrieben. 13 Wertedimensionen, elf private und zwei gesellschaftliche Werte liessen sich zum Teil mit guter, zum Teil aber auch nur maessiger interner Konsistenz erfassen. Als im Mittel besonders bedeutsam fuer die Jugendlichen erweisen sich die Dimensionen "Leistung in Schule/Beruf" und "Freiheit/Genuss/Spass", waehrend Werte wie "Tradition" und "Individuelle Macht" als weniger wichtig erachtet werden. Die wiederholte Befragung ermoeglichte es, laengsschnittliche Veraenderungen dieser Werte bei den 16-Jaehrigen 1995 hin zu ihrem 20. Lebensjahr 1999 zu beschreiben. Die Einbeziehung der befragten jungen Erwachsenen und der Alterskohorten der Jugendlichen 1995 und 1999 gestattete dabei eine Trennung von entwicklungsspezifischer Veraenderung und gesellschaftlichen Trends. So laesst sich die Abnahme der Wichtigkeit von "Sicherheit in/mit Gruppe" als typische Veraenderung in der Individualentwicklung charakterisieren, wogegen die zunehmende Wichtigkeit des Werts "Individuelle Macht" eher ein gesellschaftlicher Trend zu sein scheint. Als im Laengsschnitt positional stabil erweisen sich insbesondere die Werte, die am sozialen Sicherheitsbeduerfnis orientiert sind wie "Partnerschaft" und "Konformitaet/Reziprozitaet". Anhand ausgewaehlter soziodemographischer Merkmale wurden Gruppenunterschiede in den Werten geprueft. Die Analysen zum Faktor Geschlecht zeigen, dass der Wert "Familie" von Frauen als wichtiger erachtet wird als von Maennern, waehrend diese Werte wie "Individuelle Macht" und "Risiko/Stimulation" betonen. Diese Befunde bestaetigen einiges von dem, was landlaeufig als typisch weiblich oder typisch maennlich bezeichnet wird. Deutliche Unterschiede zwischen den in der BRD und den in der DDR geborenen Jugendlichen finden sich nur in der Einstellung zu einem "Starken Staat/Politischer Macht". Dieser Wert wird von Ostdeutschen als wichtiger erachtet als von Westdeutschen. Der Wert "Konformitaet/Reziprozitaet" wird von Landjugendlichen gegenueber Stadtjugendlichen betont. Die weiteren Stadt-Land-Unterschiede sind statistisch nicht bedeutsam. Auch die hinsichtlich der Faktoren Soziooekonomischer Status und Bildungsstreben identifizierten Gruppenunterschiede sind eher gering und tragen wie auch die anderen soziodemographischen Merkmale nur wenig dazu bei, die grosse interindividuelle Variabilitaet in den individuellen Werthaltungen aufzuklaeren. Zur Aufklaerung dieser Unterschiede sollten weitere psychologische Variablen der Person herangezogen werden. Umgekehrt sollte versucht werden, identifizierte Einstellungs- und Verhaltensmerkmale der Personen durch ihre individuellen Werthaltungen vorherzusagen. Diese Zusammenhangsanalysen werden in weiteren Kapiteln betrachtet. (A) Siehe auch Gesamtaufnahme des Buches, ITRD-Nummer D352788.

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01204595
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • ISBN: 3-8309-1244-7
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 8:03PM