Nutzen von In-Depth-Erhebungen am Unfallort am Beispiel technisch-biomechanischer Zusammenhaenge bei Verkehrsunfaellen von Motorradfahrern

Ziel der vorstehenden Studie ist es, die Bedeutung von Unfallerhebungen am Unfallort fuer die Nutzung innerhalb des weiten Spektrums wissenschaftlicher Bereiche unter anderem der Forensik, der Gutachtertaetigkeit und der wissenschaftlichen Unfallforschung hervorzuheben. Hierzu werden am Beispiel des Motorradunfalles spezielle Zusammenhaenge und Charakteristika der Unfallkinematik und Verletzungsentstehung aufgezeigt. Auch kann mittels derartiger Erhebungen der Einfluss der Flugphase des Motorradfahrers auf die resultierenden Verletzungen analysiert und eine Bewertung der Schwere des Primaer- und Sekundaeranpralles vorgenommen werden. Jaehrlich verunfallen in Deutschland mehr als 2 Millionen Personen im Strassenverkehr, 7.500 Personen wurden dabei allein im Jahr 2.000 getoetet und 500.000 verletzt. Etwa ein Siebtel der im Strassenverkehr Getoeteten sind Motorradfahrer. Zu dieser Gruppe zaehlen auch die Benutzer anderer motorisierter Zweiraeder, wie Mofa, Moped, Leichtkraftraeder und Motorroller. Im Jahr 2000 wurden insgesamt 1.102 Personen beim Fahren mit motorisierten Zweiraedern bei Verkehrsunfaellen getoetet, darueber hinaus wurden 17.500 schwer verletzt und 41.800 leicht verletzt. Bei einem Bestand von 4,9 Millionen motorisierten Zweiraedern in Deutschland bedeutet dies, dass im statistischen Durchschnitt 1,2 Prozent der Zweiraeder verunfallen und einen verletzten Aufsassen verzeichnen, demgegenueber kommen auf 4,2 Millionen Pkw 313.000 Verletzte, entsprechend lediglich 0,7 Prozent. Somit sind die Unfaelle mit motorisierten Zweiradbenutzern haeufig mit Personenschaden zu verzeichnen und nicht selten sind deshalb Anforderungen an eine umfassende Rekonstruktion des Geschehens mit Ermittlung der Fahr- und Kollisionsgeschwindigkeit notwendig. Da die Grundlagen der Geschwindigkeitsberechnung auf der Stossmechanik der Physik basieren, ist die uebliche Transformation auf Massenkoerper bezogen auf das Zweirad im Vergleich zum Pkw nur sehr approximativ. Dabei ist auch der Tatsache Rechnung zu tragen, dass der Zweiradfahrer vor der Kollision mit dem Zweirad verbunden und nach der Kollision von diesem getrennt in Endlage geraet. Der auf dem Zweirad befindliche Koerper unterliegt einerseits direkten Stossbelastungen durch das anprallende Fahrzeug, er kann sich andererseits aber auch nach dem Anprall von dem Krad loesen und im Rahmen der ungeschuetzten Abflugbewegung an verschiedenen Teilen des Strassenraumes anprallen. Neben der Analyse der Anprallgeschwindigkeit spielt somit auch die Charakteristik der Abflugbahn des Motorradfahrers eine wesentliche Rolle auf das resultierende Verletzungsmuster und die Verletzungsschwere. Wissenschaftliche Studien beschaeftigten sich schon sehr frueh mit der Analyse des Unfallgeschehens der Motorradfahrer. Erhebungen am Unfallort sind hier ein bedeutendes Instrumentarium zur Beschreibung der Ist-Situation. (A)

  • Authors:
    • OTTE, D
  • Publication Date: 2003

Language

  • German

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Filing Info

  • Accession Number: 01204574
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 8:03PM