Psycho-soziale Folgen und materielle Folgekosten von Verkehrsunfaellen

Streben nach Mobilitaet, Selbstwirksamkeit und sozialer Akzeptanz sowie das Beduerfnis, Risiko zu erleben und sich zu bewaehren sind Motoren der menschlichen Entwicklung, die im Strassenverkehr zu Risikofaktoren werden koennen. Das Problem des menschlichen Risikofaktors im Strassenverkehr wird angesichts der Nuetzlichkeit der Motoren menschlicher Entwicklung nie ganz aus der Welt zu schaffen sein, weshalb auch in Zukunft immer wieder neue Verkehrssicherheitsprogramme erstellt werden muessen. Schwere Unfaelle haben 1998 in Brandenburg Kosten von insgesamt 1,82 Milliarden DM verursacht. Erschreckende Zahlen sind jedoch emotional kaum nachvollziehbar. Um Risikobereite zu einer Aenderung ihres Verhaltens zu bewegen, muss das persoenliche Schicksal, das hinter den Verkehrsunfallzahlen steht, erfahrbar gemacht werden. In Vorbereitung der Erarbeitung von Modulen fuer die theoretische Fahrschulausbildung zum Thema "Risikofaktor Mensch" wurde am Institut fuer angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung an der Universitaet Potsdam eine Studie durchgefuehrt, in der 38 brandenburgische Unfallopfer zu den materiellen und psycho-sozialen Kosten ihres Unfalls befragt wurden. Die geschaetzten individuellen Folgekosten des Verkehrsunfalles eines jungen Mannes, dem ein Bein amputiert werden musste, betragen 245.000 DM. Psycho-soziale Folgen sind akute Belastungsreaktionen, sozialer Rueckzug, Depressionen und verschiedene koerperliche Symptome sowie chronische psychische Belastungen. Praeventionsprogramme, die auf dem Prinzip "Abschreckung durch Schock" beruhen, wie sie beispielsweise in den USA fuer jugendliche Alkoholfahrer durchgefuehrt wurden, hatten keinerlei Wirkung auf die Rueckfallquote. Die delinquenten Jugendlichen waren schockresistent. Die kriminologische Literatur bietet jedoch auch Indizien dafuer, dass ein Schock zwar nicht langfristig vor Leichtsinn schuetzt, aber schockgestuetzte Praeventionsstrategien Effekte zeigen, wenn sie in intensive Schulung und Supervision eingebettet sind. Das Leid der Anderen kann fuer die Verkehrssicherheitsarbeit erst fruchtbar gemacht werden, wenn es didaktisch aufbereitet und auf die Ebene konkreter Menschen, die dahinter stehen, heruntergebrochen wird. So werden in den Modulen fuer die Fahrschulausbildung Tonaufnahmen der befragten Unfallopfer eingebaut. Unter Fahrschullehrern und im Fahrschulunterricht wurde diese Unterrichtsmethode bereits erfolgreich erprobt. Nachzudenken ist darueber, ob sie nicht auch in den Schulen eingefuehrt werden koennte. Abschliessend werden Ueberlegungen zu eine besseren Gestaltung der schulischen Verkehrserziehung praesentiert. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD D353099. (KfV/A)

  • Authors:
    • STURZBECHER, D
  • Publication Date: 2001-11

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01204473
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 8:01PM