Wohin entwickelt sich der Strassengebundene OEPNV in Europa, insbesondere in Deutschland

Im Jahre 1976 wurden in Deutschland die Busdienste der Bahn und der Post in der RVO zusammengefasst. Heute ist der gesamte Busdienst des Bundes in privater Rechtsform organisiert und die Post ist aus dem Busgeschaeft ausgestiegen. Die 18 zum Konzern der Deutschen Bahn AG gehoerenden Regionalbusgesellschaften haben erhebliche Bedeutung erlangt und weisen positive Betriebsergebnisse auf. Im Jahre 1985 uebernahm die RVO den Postreisedienst im bayerischen Allgaeu und im oesterreichischen Kleinwalsertal. Die Regionalverkehr Allgaeu GmbH (RVA) wurde gegruendet. RVO und RVA erreichen mit 800 Beschaeftigten einen Konzernumsatz von 120 Millionen DM. Nach dem Personenbefoerderungsgesetz (PBefG) ist fuer jede Linie eine Konzession erforderlich. Die Unternehmer unterliegen gleichzeitig den oeffentlich-rechtlichen Verpflichtungen der Betriebs- und Befoerderungspflicht. Auf der Anbieterseite gibt es neben den Regionalbusgesellschaften der DB AG auch private Verkehrsunternehmen und kommunale Unternehmen. Zunehmend treten auslaendische Anbieter auf dem deutschen OEPNV-Markt auf. Teilweise bestellen auch Aufgabentraeger OEPNV-Leistungen. Geschaeftsanteile von Verkehrsverbuenden werden von Gebietskoerperschaften und Verkehrsunternehmen gehalten. Omnibuslinien haben sich vor allem dort entwickelt, wo es fuer die Unternehmen lukrativ ist, an vielen Orten wurden dagegen die Leistungen ausgeduennt oder sogar aufgegeben. Um eine oeffentliche Verkehrsbedienung zu gewaehrleisten, kam es zu gesetzlichen Aenderungen, insbesondere zu einer Novellierung des PBefG. Wo OEPNV-Angebote von den Unternehmern nicht kostendeckend zu erbringen sind, leisten die Gebietskoerperschaften finanzielle Zuschuesse. Der neue Ordnungsrahmen verfolgt 2 entscheidende Ziele. Es soll der Zugang zum Markt geoeffnet werden und gleichzeitig sollen die oeffentlichen Haushalte der Aufgabentraeger nicht ueberfordert werden. Die Erteilung einer Genehmigung ist so vorzunehmen, dass die geringsten Kosten fuer die Allgemeinheit entstehen. Um einen bezahlbaren attraktiven OEPNV langfristig zu sichern und eine Marktkonzentration auf der Anbieterseite zu vermeiden, wird es nicht genuegen, die Genehmigungen nur im Ergebnis von Ausschreibungen zu erteilen. In Schweden beherrschen 2 grosse Busunternehmen den Markt, in Frankreich 4 und im Vereinigten Koenigreich 6. In Deutschland ist bereits der franzoesische Mischkonzern CGEA/Vivendi stark vertreten. Der OEPNV ist als Zukunftsmarkt zu sehen. Der oeffentliche Verkehr muss jedoch an Attraktivitaet gewinnen. Niederflurtechnik, Klimaanlagen oder Busspuren muessen zur Selbstverstaendlichkeit werden. Fahrplaene mit dichter Frequenz muessen mit anderen Verkehrstraegern und Verkehrsunternehmen abgestimmt werden. Die Fahrpreise sollten unter den Grenzkosten des Pkw liegen. Ausschreibungen sollten nicht zum reinen Preiswettbewerb fuehren, sondern es muessen auch Qualitaet und Sicherheit beruecksichtigt werden. Die kommunalen Verkehrsbetriebe haben im Vergleich zu anderen Unternehmen ein hohes Lohnniveau. Dies birgt die Gefahr in sich, dass sie bei einer schnellen Liberalisierung aus dem Markt ausscheiden. Abschliessend werden in Form von 8 Thesen Vorschlaege und Forderungen fuer die Sicherung und Attraktivierung des strassengebundenen OEPNV formuliert. (KfV/A)

  • Authors:
    • BAUER, R
  • Publication Date: 1999

Language

  • German

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Filing Info

  • Accession Number: 01203949
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 7:49PM