Die Summerauer Bahn im europaeischen Schienennetz

Die zunehmende Internationalisierung der Wirtschaft verlangt grossraeumige Verkehrsinfrastrukturen. Derzeit koennen auf europaeischer Ebene grossraeumige nationale Infrastrukturprojekte nur unter Bezugnahme auf die Transeuropaeischen Netze (TEN) oder die Kreta-Korridore erfolgreich thematisiert werden. Die Summerauer Bahn Prag-Budweis-Linz koennte als Querverbindung vom Donaukorridor (Korridor VII von Muenchen ueber Linz-Wien-Budapest) zum Korridor IV (Dresden-Prag-Wien-Budapest) interpretiert werden. Zur verstaerkten Einbindung von Marktelementen und zur Herstellung der Wettbewerbsgleichheit zwischen den Verkehrstraegern wird europaweit eine organisatorische und/oder rechnerische Trennung von Infrastruktur und Betrieb der Bahnverwaltungen angestrebt. Fuer die Infrastrukturausbauten sind in Oesterreich das Verkehrsministerium beziehungsweise im Falle einer Uebertragung die Hochleistungsstrecken-AG (HL-AG) oder die Oesterreichischen Bundesbahnen OEBB zustaendig. Die Finanzierung erfolgt ueber die Schieneninfrastrukturfinanzierungs-Gesellschaft (SCHIG). Die Summerauer Bahn wurde 1997 per Verordnung zur Hochleistungsstrecke erklaert, womit ihrer funktionellen Bedeutung im Gesamtnetz Rechnung getragen wurde. Die Uebertragungsverordnung fuer Planung und Bau sowie die Sicherstellung der Finanzierung stehen noch aus. Die Bedeutung der hochrangigen Verkehrsinfrastruktur fuer Standortqualitaet und Dynamik der Wirtschaft ist unbestritten. In der Regional- und Standortoekonomie hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine qualitativ und kapazitaetsmaessig ausreichende Verkehrsanbindung allein fuer eine regionalwirtschaftliche Dynamik nicht ausreicht, jedoch im Gesamtpaket an Standortfaktoren unverzichtbar ist. Nach den vorliegenden Prognosen wird fuer die Summerauer Bahn bis zum Jahr 2010 zumindest mit einer Verdoppelung des Gueterverkehrs von derzeit rund 4,5 Millionen Tonnen jaehrlich gerechnet. Bereits bei pessimistischen Annahmen des Wirtschaftswachstums wird die derzeitige Kapazitaet der Bahn von 80 bis 90 Zuegen pro Tag ueberschritten werden. Derzeit kommt dem grenzueberschreitenden Personenverkehr eine untergeordnete Bedeutung zu. Ausbauparameter und Linienfuehrung sollten sowohl den Erfordernissen des Gueter- als auch des Personenverkehrs entsprechen. Es waere sicherzustellen, dass bei den Ueberlegungen fuer den grossraeumigen Verkehr berechtigte Beduerfnisse der Region Beruecksichtigung finden. Die Vorzugsvariante besteht in einem grosszuegigen selektiven zweigleisigen Ausbau mit Trassenkorrekturen fuer Geschwindigkeiten bis zu 140 Stundenkilometer. Die Gesamtkosten werden mit rund 2,5 Milliarden Schilling angegeben. Im Personenverkehr ermoeglicht dies eine deutliche Fahrzeitverkuerzung und in Verbindung mit dem Einsatz von Neigezuegen auch deutliche Angebotsverbesserungen. Der Ausbaustandard und die Angebotsgestaltung entsprechen den tschechischen Vorstellungen auf dem Abschnitt Prag-Budweis-Summerau, so dass ein Verkehr ohne Systembruch moeglich waere. Durch den Ausbau der Summerauer Bahn koennte der Vernetzungsgrad der Schieneninfrastruktur in Oberoesterreich deutlich erhoeht und den kuenftigen Erfordernissen des Regional- und Nahverkehrs im Linzer Zentralraum angepasst werden. (A)

  • Authors:
    • Hoefler, L
  • Publication Date: 1998

Language

  • German

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Filing Info

  • Accession Number: 01203938
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 7:49PM