Verkehrszaehlungen auf Oesterreichs Strassen zwischen den Weltkriegen und ihr Beitrag zur Verkehrsgeschichte

Systematische Verkehrszaehlungen wurden in Oesterreich in der Zwischenkriegszeit eingefuehrt. Die erste oesterreichische Verkehrszaehlung fand 1924 statt, umfasste jedoch lediglich Bundesstrassen und beschraenkte sich auf die Erzielung von Einzelergebnissen. Die erste allgemeine und systematische Verkehrszaehlung erfolgte 1926 auf Anordnung des Bundesministeriums fuer Handel und Verkehr. Auch sie umfasste lediglich die Bundesstrassen. Gezaehlt wurde an je 4 aufeinander folgenden Tagen im Fruehjahr, Sommer und Herbst. Da im Winter keine Zaehlungen stattfanden, konnten keine tatsaechlichen Jahresdurchschnittswerte ermittelt werden. Der zunehmende Kraftfahrzeugverkehr und die sich daraus ergebende Notwendigkeit eines "neuzeitlichen Ausbaus" der oesterreichischen Strassen liessen systematische und bundesweite Verkehrszaehlungen zweckmaessig erscheinen. Fuer die Strassenverwaltungen war es erforderlich, quantifizierbare Angaben ueber die Verkehrsbelastung einer Strasse zur Verfuegung zu haben, da die aus der Zahl und dem Gewicht der Fahrzeuge berechneten Werte die Grundlage fuer die Kategorisierung der jeweiligen Strasse, fuer die Wahl des Strassenbelages und fuer die Ausbauprioritaeten bilden. Verkehrszaehlungsdaten beschreiben das historische Verkehrsgeschehen und die tatsaechliche Verkehrsdichte wesentlich zutreffender als die Daten des Kraftfahrzeugbestandes der Zeit. Auf der Grundlage dieser historischen Quellen, der Mautstatistiken und der Berichte in zeitgenoessischen Fachzeitschriften zeichnet der Autor ein Bild des Verkehrsaufkommens in der Zwischenkriegszeit in Oesterreich. Dabei werden schwerpunktmaessig Beispiele fuer Verkehrsbelastungen in Oberoesterreich und Salzburg aufgezeigt. Erlaeutert wird auch der Weg der Systematisierungen der Verkehrszaehlungen. Schon fuer die 1926 durchgefuehrte erste systematische Verkehrszaehlung in Oesterreich ordnete das Bundesministerium fuer Handel und Verkehr die Verwendung einheitlicher Zaehlblaetter nach den Richtlinien des Deutschen Strassenbauverbandes an. Ebenfalls 1926 regte der in Mailand abgehaltene Internationale Staendige Verband der Strassenkongresse eine Vereinheitlichung der in den verschiedenen europaeischen Laendern durchgefuehrten Zaehlungen an, um eine bessere internationale Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gewaehrleisten. Zwischen 1926 und 1935 wurde in den meisten europaeischen Laendern eine Zaehlung des Landstrassenverkehrs durchgefuehrt. Fuer Oesterreich zeigt die Auswertung der Verkehrszaehlung 1926 noch ein Ueberwiegen des tierbespannten Verkehrs gegenueber dem Kraftfahrzeugverkehr. Im bundesweiten Durchschnitt lag der Anteil des Kraftfahrzeugverkehrs am Gesamtverkehr bei 46 Prozent. Bereits 1928 betrug der Anteil des Kraftfahrzeugverkehrs auch in den schwaecher motorisierten Bundeslaendern bereits mehr als 50 Prozent, in Vorarlberg sogar 80 Prozent, gefolgt von Niederoesterreich mit 76 Prozent. Auch die Mautstatistiken, beispielsweise diejenige fuer die Grossglockner-Hochalpenstrasse, belegen einen rasanten Anstieg des Kraftfahrzeugverkehrs bis 1938. Diese enorme Steigerung zeigt sich auch in den Verkehrszaehlungsdaten verschiedener europaeischer Laender. Detaillierter eingegangen wird auf die Entwicklung der Verkehrszaehlungen in Deutschland. Der zunehmende Kraftfahrzeugverkehr fuehrte zu einem Aufschwung der Verkehrsplanung und foerderte deren Verwissenschaftlichung. (KfV/H)

Language

  • German

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Filing Info

  • Accession Number: 01203185
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 7:15PM