Beanspruchung von U-Bahn-Fahrern infolge der individuellen Auseinandersetzung mit der Belastung

Belastungs-Beanspruchungs-Konzepte postulieren einen Einfluss der Belastung auf die Beanspruchung des Menschen in Abhaengigkeit von seinen individuellen Voraussetzungen. Ziel der vorliegenden Arbeit war die Analyse des Einflusses der Variablen Alter, Dienstalter und Familienstand sowie der Aengstlichkeit auf die psychische und physische Beanspruchung und auf das Verhalten von Wiener U-Bahn-Fahrern. Die psychische Beanspruchung wurde anhand von Aussagen ueber die Arbeitsunzufriedenheit, die physische Beanspruchung durch Erhebung der koerperlichen und Allgemeinbeschwerden und die Auswirkungen der Beanspruchung auf das Verhalten durch Ermittlung des durchschnittlichen Kaffee- und Zigarettenkonsums festgestellt. Die verwendeten Instrumente waren die Fragebogenskalen zur Erfassung der Unzufriedenheit im beruflichen Bereich von WEYER, HODAPP und NEUHAEUSER (1980) mit den Skalen "Arbeits- und Berufsunzufriedenheit" und "Belastendes Betriebsklima", die zusammen den "Unzufriedenheitsfaktor" ergeben. Zur quantitativen Abschaetzung subjektiver Beeintraechtigung durch koerperliche und Allgemeinbeschwerden wurde die Beschwerdenliste von ZERSSEN (1975) herangezogen. Der Trait-Fragebogen des State-Trait-Angst-Inventars von LAUX, GLANZMANN, SCHAFFNER und SPIELBERGER (1981) diente zur Erfassung des Persoenlichkeitsmerkmals Aengstlichkeit. Eine Liste von Eigenschaften und ihre Bedeutung fuer die Ausuebung der Taetigkeit sowie eine Liste mit Arbeitsbedingungen zur Erhebung der Belastungssituation der U-Bahn-Fahrer vervollstaendigten den Fragebogen. Die Frageboegen wurden an 250 maennliche U-Bahn-Fahrer der Wiener Verkehrsbetriebe ausgeteilt. Es konnten 62 vollstaendig ausgefuellte Frageboegen zur Auswertung herangezogen werden. Die Untersuchungsergebnisse werden detailliert dargestellt. Es zeigt sich ein hochsignifikanter Zusammenhang zwischen Arbeitsunzufriedenheit und den koerperlichen und Allgemeinbeschwerden. Die koerperlichen und Allgemeinbeschwerden der Fahrer stehen eher mit dem Koffeinkonsum als mit dem Rauchverhalten in Verbindung. Nichtraucher mit hohem Kaffeeverbrauch zeigen die hoechsten Gesamtbeschwerdenwerte, gefolgt von den Rauchern mit hohem Kaffeekonsum. Die geringsten Beschwerdenwerte zeigen Nichtraucher mit geringem Kaffeekonsum. Ein Einfluss des Alters auf die Arbeitsunzufriedenheit und die koerperlichen Beschwerden konnte bei der untersuchten Stichprobe nicht festgestellt werden. Dienstaeltere sind mit dem Betriebsklima signifikant unzufriedener als Betriebsjuengere, jedoch wirkt sich dieser Zusammenhang nicht auf den Gesamtwert der Unzufriedenheit aus, der sich aus den Skalen "Arbeits- und Berufsunzufriedenheit" und "Belastendes Betriebsklima" zusammensetzt. Der Familienstand hat Einfluss auf die Bewertung des Betriebsklimas. Geschiedene beziehungsweise Verwitwete bewerten es am negativsten, Ledige am positivsten. Die soziodemographischen Variablen haben in der untersuchten Stichprobe einen eher geringen Einfluss auf die Beanspruchung und auf das Verhalten. Bei der Ueberpruefung des Einflusses der Beanspruchung und des Verhaltens sowie der intervenierenden Variablen auf die Bewertung der Belastungssituation zeigte sich folgender Zusammenhang: Je hoeher die wahrgenommene Belastung, desto groesser sind auch die psychischen und physischen Beeintraechtigungen der Fahrer. Fahrer mit einer hoeheren Auspraegung der Eigenschaft "Aengstlichkeit" zeigen eine signifikant hoehere Arbeitsunzufriedenheit und signifikant mehr koerperliche und Allgemeinbeschwerden als Fahrer mit einer geringen Auspraegung der Trait-Angst. In der untersuchten Population zeigen jene Fahrer, fuer die die Eigenschaften und Faehigkeiten Anpassungsfaehigkeit, Ausgeglichenheit, Intelligenz, Flexibilitaet und Technische Begabung (Faktor 1) sowie Zuverlaessigkeit, Puenktlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Selbstaendigkeit (Faktor 2) besonders wichtig sind, signifikant geringere physische und psychische Beanspruchungswerte. Besonders die Eigenschaften des zweiten Faktors stehen in Zusammenhang mit der Arbeitsunzufriedenheit. Fahrer, die diese Eigenschaften als besonders wichtig erachten, zeigen geringere Arbeitsunzufriedenheit als Fahrer, fuer die diese Eigenschaften weniger bedeutsam sind. Diese Eigenschaften eignen sich auch am besten zur Vorhersage der beruflichen Unzufriedenheit und eine Vorauswahl der geeignetsten Bewerber. Zur Verbesserung der Arbeitssituation von U-Bahn-Fahrern werden regelmaessige Pausen mit angemessener Erholungsmoeglichkeit, menschengerechte Dienstplan- und Arbeitsplatzgestaltung und die Vermittlung einer gesunden Lebensweise empfohlen. (KfV/H)

  • Corporate Authors:

    UNIVERSITAET WIEN, GRUND- UND INTEGRATIVWISSENSCHAFTLICHE FAKULTAET

    DR. KARL LUEGER-RING 1
    WIEN,   OESTERREICH  A-1010
  • Authors:
    • WUNSCH, D H
  • Publication Date: 1998-6

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 194S

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01203169
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 7:15PM