Hohe Kosten - wenig Wirkung. Wie oekologisch ist Rapsdiesel?

Der oesterreichische Landwirtschaftsminister fordert eine verpflichtende zweiprozentige Beimengung von Rapsdiesel zum mineralischen Diesel. Die Diskussion wird hauptsaechlich mit Umweltargumenten gefuehrt, wobei die Reduzierung von Kohlendioxid-Emissionen im Vordergrund steht. Wissenschaftliche Studien zum Thema Rapsdiesel als Treibstoff kommen jedoch zum Schluss, dass der breite Einsatz von Rapsdiesel als Treibstoff aus Umweltgruenden nicht zu empfehlen ist. Die Internationale Energieagentur hat beispielsweise berechnet, dass die Nettowirkung des Klimaschutzeffektes lediglich 17 bis 29 Prozent der ersetzten Dieselmenge entspricht. Dem steht jedoch eine starke Grundwasser- und Bodenbelastung gegenueber. Der Rapsanbau benoetigt doppelt soviel Duenger wie der Weizenanbau. Erforderlich ist weiters ein extrem hoher Einsatz von Pestiziden. Um die erforderliche Menge Rapsoel fuer die zweiprozentige Beimengung zum mineralischen Diesel zu bekommen, wuerden ausgedehnte Monokulturen mit negativen Auswirkungen auf die Artenvielfalt entstehen. Der Preis fuer Rapsoel ist zu hoch, um am freien Markt bestehen zu koennen. Deshalb wird im Zusammenhang mit seiner Verwendung eine Befreiung von der Mineraloelsteuer verlangt, was einer staatlichen Foerderung von 300 Millionen Schilling gleichkaeme. Durch die Biodieselbeimengung wuerden 80 Millionen Liter Diesel ersetzt. Da jedoch Anbau und Verarbeitung von Raps sehr energieintensiv sind, bleibt netto lediglich eine Einsparung von 36 Millionen Liter uebrig. Mit den durch das gleiche Foerdervolumen ausgeloesten Waermedaemminvestitionen koennten dagegen etwa dreimal soviel Diesel oder Heizoel eingespart werden, im Fernwaermebereich koennten damit Investitionen in Hoehe von 700 Millionen Schilling ausgeloest werden. Andere Klimaschutzmassnahmen waeren somit weitaus effizienter. Auch die Beschaeftigungseffekte der Rapsdieselbeimischung sind gering. Die Intention der Massnahme besteht also lediglich in der Foerderung der oesterreichischen Intensivlandwirtschaft. Es ist zwar verstaendlich, dass vor dem Hintergrund der Agenda 2000 versucht wird, fuer die Landwirtschaft neue Einkommensquellen zu erschliessen, doch ist der Preis im Fall von Rapsoel in jeder Hinsicht zu hoch. (KfV/A)

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  • German

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  • Created Date: Oct 7 2010 7:14PM