Entschleunigung laendlicher Raeume. Neue Wege einer nachhaltigen Verkehrspolitik

In den vergangenen 150 Jahren hat sich das Verkehrssystem entscheidend veraendert. Ein wesentliches Merkmal der technischen Verkehrssysteme sind hohe Geschwindigkeiten. Dies fuehrt zu einer Vergroesserung der Entfernungen und hat Auswirkungen auf die Siedlungsstruktur. Diese wird auch von den Moeglichkeiten der Mobilitaetsbewaeltigung beeinflusst. Aus einer im oesterreichischen Bundesland Kaernten landesweit durchgefuehrten Haushaltsbefragung wurde jenes Datenmaterial einer statistischen Analyse unterzogen, das sich auf die Wechselwirkungen zwischen Personenverkehr und Siedlungsstruktur bezieht. Die Stichprobe umfasste etwa 7 Prozent aller Haushalte in 77 Kaerntner Gemeinden. Die kleinste einbezogene Gemeinde hatte 679 Einwohner, die groesste 14.000, der Grossteil der Gemeinden zwischen 1.000 und 3.000. Zwischen der Zahl der Auspendler und den Arbeitsplaetzen pro Einwohner besteht eine hochsignifikante negative Korrelation. Dasselbe trifft auf die Beziehung Arbeitsplaetze pro Einwohner und Zahl der externen Wege zu. Dies bedeutet, dass groessere Orte den kleineren Orten Arbeitsplaetze wegnehmen. Der Anteil externer Wege ist negativ mit der Ortsgroesse und mit der Entfernung korreliert. Von Zentren entfernte Orte haben also einen geringeren Anteil externer Wege. Dies bestaetigt die Hypothese, dass gute Verkehrsverbindungen kleine Strukturen zugunsten groesserer schwaechen. Die Betrachtung des Umweltverbundes ergibt, dass hoehere Motorisierung und hoehere Autobenutzung alle anderen Verkehrsarten schwaechen. Geschwindigkeit korreliert ebenfalls negativ mit dem Umweltverbund. Die Berechnung von Regressionskoeffizienten ergab, dass steigende Geschwindigkeit und eine "starke" Umgebung zu Strukturverlusten durch Aussenverkehr fuehren. Die Zahl der Auspendler erhoeht sich und die Struktur des Ortes wird geschwaecht. Da entgegen der bisherigen Annahme der Abbau von Widerstaenden zwischen den Orten dazu fuehrt, dass kleinere Orte an Substanz verlieren, muessen neue Wege beschritten werden. Verkehrspolitik muss die Siedlungsstruktur und die Ueberlebensfaehigkeit der Gemeinden beruecksichtigen. Vor allem die Verringerung der Geschwindigkeit fuehrt zur Stabilisierung der Gemeinden. Ein Haupthindernis fuer eine Umsetzung dieser Erkenntnisse in die Praxis sind die traditionell erzogenen Verkehrsingenieure, die die Politiker falsch beraten. Veraenderungen beginnen mit dem Erkennen der Problematik. Voraussetzung dafuer sind Mobilitaetsanalysen auf der Grundlage von Haushaltsbefragungen. Fuer eine Gesundung der Gemeinden ist die grundlegende Reduzierung der Geschwindigkeiten entscheidend. Energisches Einschreiten der Planer und Politiker ist dafuer ebenso unabdingbar wie die Information und Mitwirkung der Bevoelkerung. Dies alles setzt Einstellungs- und Verhaltensaenderungen voraus. Nur dann sind die notwendigen Entscheidungen zu erwarten. Dazu gehoert unter anderem, das Geld im Ort lassen zu wollen, sich mit der bodenstaendigen Primaerproduktion zu vernetzen, ein zusammenhaengendes Fusswegenetz und ein Verbot von Einkaufsmoeglichkeiten mit Parkplaetzen an der Peripherie zu wollen. (KfV/A)

  • Authors:
    • KNOFLACHER, H
  • Publication Date: 1997

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 31S
  • Serial:
    • RAUMPLANUNG REIHE "EXTRACTS"
    • Issue Number: 29
    • Publisher: UNIVERSITAET FUER BODENKULTUR, INSTITUT FUER RAUMPLANUNG UND LAENDLICHE NEUORDNUNG

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01203143
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 7:14PM