Nachhaltig mobil

Kreislaufwirtschaft im Verkehr bedeutet nachhaltige Mobilitaet, also der Natur nicht mehr entziehen, als sie nachliefern kann. Der Wiener Verkehrswissenschaftler Gerd Sammer zeigte im Herbst 1997 auf der europaeischen Verkehrsministerkonferenz in Innsbruck, ausgehend von den aktuellen Verkehrsprognosen, Wege auf, wie dies erreicht werden kann. Die Verkehrsnachfrage setzt sich laut derzeitigen Prognosen in Oesterreich bis zu einem Motorisierungsgrad von 650 Pkw pro 1.000 Einwohner fort und das wird im Jahr 2020 der Fall sein. Im Personenverkehr ist im naechsten Vierteljahrhundert mit einer weiteren starken Zunahme zu rechnen, wozu fortschreitende Zersiedelung und wachsende Freizeit den Hauptbeitrag leisten. Die staerkste Zunahme wird mit plus 136 Prozent der Flugverkehr haben. Der Energieverbrauch wird um rund 15 Prozent ansteigen, die Kohlendioxid-Emissionen werden in den naechsten 23 Jahren um etwa 18 Prozent zunehmen. Rueckgaenge werden dagegen beim Kohlenmonoxid und bei den Stickoxiden erwartet. Besser wird die Bilanz der Verkehrssicherheit ausfallen, schon weil der wachsende Verkehr hohe Geschwindigkeiten nicht mehr zulaesst. Abnehmen wird aus demselben Grund der Schallpegel. Noch hoehere Zuwachsraten fuer den Flugverkehr werden fuer die europaeischen OECD-Staaten vorhergesagt. Der Personenverkehr soll bis Mitte des naechsten Jahrhunderts um 72 Prozent zunehmen, der Gueterverkehr um 175 Prozent. Weltweit soll der Personenverkehr bis 2050 um 190 Prozent zunehmen, der Flugverkehr wird sich verdreifachen, der Autoverkehr mehr als verdoppeln, der Gueterverkehr auf der Strasse soll um 371 Prozent, auf der Schiene um 275 Prozent, auf dem Schiff um 252 Prozent und in der Luft um 445 Prozent zunehmen. Das wuerde bedeuten, dass sich der Kohlendioxid-Ausstoss um 65 Prozent erhoehen wuerde, waehrend das Klimabuendnis bis 2010 eine Halbierung vorsieht. Die Torontoziele werden also nicht erreicht. Die Vorschlaege von Gerd Sammer gehen in Richtung Verkehrsvermeidung und -verlagerung, Mobilitaetssicherung und Verbesserung der Verkehrssysteme. Er schlaegt eine flaechendeckende Strassenbenuetzungsabgabe in Form eines On-Board-Abbuchungssystems vor, fuer Flugzeuge Start- und Landegebuehren, die Kurzstreckenfluege staerker belasten als Langstreckenfluege. Durch eine entsprechende Raumplanung muss die weitere Zersiedlung gestoppt werden. Der oeffentliche Verkehr muss zu einem Mobilitaets-Serviceleister von Tuer zu Tuer werden, die Hoechstgeschwindigkeiten auf Strasse und Schiene muessen herabgesetzt werden. (KfV/A)

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 26-7
  • Serial:
    • VERKEHR & UMWELT
    • Volume: 12
    • Issue Number: 1
    • Publisher: N. J. SCHMID VERLAG GES.M.B.H.
    • ISSN: 1019-7346

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01203126
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 7:14PM