Einfluss defekter Schwingungsdaempfer in Pkw auf das Unfallgeschehen

Schwingungsdaempfer (SD) in Pkw dienen in erster Linie zur Daempfung von Vertikalschwingungen, die ihrerseits insbesondere bei Fahrbahnunebenheiten dynamische Radlastschwankungen zur Folge haben und damit zu einer Reduktion der im Mittel uebertragbaren Kraefte zwischen Reifen und Fahrbahn fuehren. Waehrend sich ein Fahrer bei einem schleichenden Nachlassen der Daempferwirkung an das Abfallen der uebertragbaren Seitenkraefte auf welliger Fahrbahn gewoehnen kann, ist er - insbesondere bei einer Gefahrenbremsung mit ABV-geregelter Bremse - auf eine Verlaengerung des Bremsweges infolge einer verminderten SD-Wirkung nicht vorbereitet. Dies fuehrt zu der Frage, ob der Einfluss defekter SD auf die Fahrsicherheit eine SD-Pruefung im Rahmen der Hauptuntersuchung (HU) wirtschaftlich rechtfertigt. Die Literaturauswertung und eigene Fahrversuche mit modernen Fahrzeugen zeigen, dass sich bei Pkw mit defekten SD je nach Fahrzeugkonzept und Geschwindigkeit bei Vollbremsung auf welliger Fahrbahn mit ABV-geregelten Fahrzeugen entweder laengere Bremswege ergeben koennen oder nur ein vergleichsweise geringer Einfluss der SD-Wirkung auf die Bremsverzoegerung besteht. Bei querdynamischen Fahrmanoevern (ISO-Fahrspurwechsel) bewirken defekte SD bei angepasstem Lenken - anders als beim hektischen Lenken (Normalverhalten in Gefahrensituationen) - keine Verschlechterung. Die Analyse der Welligkeitskennwerte von deutschen Bundesstrassen und Autobahnen zeigt einen ueberwiegend guten Zustand, so dass schlechte SD nur auf wenigen Fahrbahnabschnitten einen deutlichen Einfluss auf die Fahrdynamik haben. Das Ergebnis wird bei der Nutzenanalyse beruecksichtigt. Fuer eine Kosten/Nutzen-Analyse werden Untersuchungen der BASt und der DEKRA ueber den Zusammenhang zwischen SD-Defektrate und Fahrzeugalter herangezogen und die Anzahl der Unfaelle mit Verunglueckten analysiert. Mit Hilfe einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover, in der der Zusammenhang zwischen Kollisionsgeschwindigkeit und Verletzungsschwere erarbeitet wurde, und durch die Abschaetzung der Verringerung der Bremswege und damit der Kollisionsgeschwindigkeit bei intakten SD wird eine moegliche Reduzierung der Anzahl der Unfaelle beziehungsweise eine Reduzierung der Unfallschwere ermittelt. Zur Ermittlung des Nutzens wird der durchschnittliche monetaere Schaden pro Unfall und die volkswirtschaftliche Bewertung des bei den Unfaellen entstandenen Personenschadens zugrunde gelegt. Als Ergebnis der Untersuchungen ist festzustellen, dass der Nutzen geringer als die Kosten ist, wenn zum Beispiel bei 50 Prozent aller Unfaelle kein fahrdynamischer Grenzzustand fuer den Unfallverlauf massgebend war, bei allen restlichen Unfaellen mit zwei und mehr Unfallbeteiligten ein nicht ausreichender Bremsweg massgebend war und bei allen restlichen Unfaellen der Art "Abkommen von der Fahrbahn" auf schlechten und sehr schlechten Strassenabschnitten Pkw mit defekten SD dreimal so haeufig Hauptverursacher waren. Mit der Defektrate nach "BASt" ergibt sich ein Verhaeltnis von Kosten zu Nutzen (in Millionen DM) von circa 3 zu 1 beziehungsweise 4 zu 1. Mit der Defektrate nach "DEKRA" ergeben sich die Verhaeltnisse circa 4 zu 1 beziehungsweise circa 5 zu 1. Schlussbericht zum Forschungsprojekt 2.9531 (IDS-Nummer D704869) der Bundesanstalt fuer Strassenwesen.

  • Corporate Authors:

    UNIVERSITAET STUTTGART, INSTITUT FUER VERBRENNUNGSMOTOREN UND KRAFTFAHRWESEN

    PFAFFENWALDRING 12
    STUTTGART,   DEUTSCHLAND BR  D-70569
  • Authors:
    • STENGELIN, I
    • HAKEN, K -
  • Publication Date: 1997-1

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 112S

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01202961
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 7:11PM