Effizienzuntersuchung der Lkw-Ueberholverbote 7,5 t auf Autobahnen in Niederoesterreich

Das oesterreichische Autobahnnetz ist im Zeitraum zwischen 1976 und 1995 um 120 Prozent von 719 Kilometern auf 1.596 Kilometer gewachsen. Im selben Zeitraum erhoehten sich die Unfaelle mit Personenschaden auf Autobahnen um 200 Prozent (von 770 auf 2.287). Im Zeitraum 1984 bis 1993 stieg die Anzahl der Lkw-Unfaelle mit Personenschaden um rund 100 Prozent, das Autobahnnetz wuchs um rund 40 Prozent und die durchschnittliche taegliche Verkehrsstaerke erhoehte sich um rund 60 Prozent. Gemessen an ihrer Gesamtfahrleistung auf Autobahnen sind Lkw mit einem Anteil von 14 Prozent ueberproportional hoch am Unfallgeschehen beteiligt. Als Massnahme zur Homogenisierung des Verkehrsablaufs und zur Reduzierung von Stoerungen im Verkehrsablauf hat der Bundesminister fuer Wissenschaft und Verkehr mit Verordnung vom 5. November 1996 in Teilbereichen des niederoesterreichischen Autobahnnetzes Ueberholverbote fuer Lkw mit einem hoechstzulaessigen Gesamtgewicht von mehr als 7,5 Tonnen verfuegt. Die vorliegende Studie untersucht die Auswirkungen der Lkw-Ueberholverbote auf den Verkehrsablauf und die Verkehrssicherheit exemplarisch in 9 Autobahnbereichen mit Lkw-Ueberholverbot. Im Rahmen der Untersuchung wurden verkehrstechnische Messungen zum Geschwindigkeits- und Fahrverhalten der Fahrzeuglenker durchgefuehrt. Die Verkehrsbeobachtungen erfolgten jeweils in einem Bereich mit und ohne Lkw-Ueberholverbot mit aehnlichen Trassierungsverhaeltnissen. Zur Beurteilung der Verkehrssicherheitsaspekte wurden die Unfaelle mit Personenschaden der Jahre 1995 bis 1997 herangezogen. Es wurden dabei auch die Vor- und Nachlaufbereiche sowie kurze Abschnitte, die zwischen Lkw-Ueberholverboten liegen, betrachtet. Um die direkte Vergleichbarkeit der Ereignisse zu gewaehrleisten, erfolgten die Unfallauswertungen der einzelnen Untersuchungsbereiche im Vorher-Nachher-Vergleich. Die Untersuchungsergebnisse werden detailliert ausgewiesen. Zusammenfassend dargestellt bewirkt ein Ueberholverbot fuer Lkw ueber 7,5 Tonnen auf Autobahnen signifikante Veraenderungen im Unfallgeschehen und eine deutliche Erhoehung der Verkehrssicherheit. So konnte eine Reduktion der Unfaelle mit Personenschaden und Verunglueckten um jeweils rund 20 Prozent festgestellt werden. Daraus errechnet sich unter Beruecksichtigung der Verkehrsleistung eine Erhoehung der Verkehrssicherheit um rund 25 Prozent. Dies bedeutet pro Jahr eine Verringerung von rund 11 Unfaellen mit Personenschaden beziehungsweise 16 Verunglueckten. Deutliche Verbesserungen zeigen sich auch hinsichtlich der Unfallschwere. Die Unfallgewichtsziffer sank um rund 33 Prozent, die mittlere Unfallschwere reduzierte sich um rund 16 Prozent und der relative Gefahrengrad sank um rund 36 Prozent. Auf Preisbasis 1983 ergibt sich eine Reduktion der volkswirtschaftlichen Unfallfolgekosten von 5,5 Millionen ATS, nach heutigem Stand eine Einsparung von 12 bis 14 Millionen ATS pro Jahr. Durch Ueberholverbote fuer Lkw ueber 7,5 Tonnen auf Autobahnen werden die Reisegeschwindigkeiten im Gesamtsystem bei Verkehrsbelastungen zwischen 1.100 bis 1.400 Kraftfahrzeugen/Stunde erhoeht. Als negativer Aspekt ist die Zunahme der mittleren Geschwindigkeiten der Pkw mit Erhoehung des Anteiles der Ueberschreiter der zulaessigen Hoechstgeschwindigkeit am zweiten Fahrstreifen (Ueberholspur) anzufuehren. Aus den Ergebnissen werden Empfehlungen fuer die Anwendung dieser Massnahme und begleitende legistische Massnahmen formuliert. (KfV/H)

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 47S
  • Serial:
    • VERKEHR IN OESTERREICH
    • Issue Number: 25
    • Publisher: KURATORIUM FUER VERKEHRSSICHERHEIT, LANDESSTELLE NIEDEROESTERREICH
    • ISSN: 1026-3969

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01202405
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 6:59PM