FREIWILLIGEN-VERSUCHE ZUR BELASTUNG DER HALSWIRBELSAEULE DURCH PKW-HECKANSTOESSE

Im Rahmen einer interdisziplinaeren (technisch-medizinischen) Studie wurden Pkw-Auffahrkollisionen mit resultierenden Geschwindigkeitsaenderungen zwischen 10 und 15 km/h im Hinblick auf Verletzungen der Halswirbelsaeule (HWS) untersucht. Dabei wurde der Bewegungsablauf der Insassen erfasst und es wurden Analogien zwischen Pkw-Auffahrkollisionen und Autoskooter-Anstoessen nachgewiesen. An den 17 Pkw- und drei Autoskooter-Kollisionen nahmen 14 maennliche Freiwillige im Alter von 28 bis 47 Jahren und 5 weibliche Freiwillige im Alter von 28 bis 37 Jahren teil. Vor und nach jedem Crash wurden die Freiwilligen klinisch und kernspintomographisch untersucht. Zusaetzlich wurde eine Ultraschall-Untersuchung der HWS-Beweglichkeit durchgefuehrt. Waehrend des Crash-Tests waren alle Versuchspersonen akustisch und visuell von der Aussenwelt abgeschirmt, um eine Antizipation des Anstossereignisses zu unterbinden. Der Tonus der Halsmuskulatur wurde durch Elektromyographie-Oberflaechen-Elektroden in verschiedenen Bereichen ueberwacht. Der Bewegungsablauf und die biomechanischen Beschleunigungssignale wurden computerunterstuetzt aufgezeichnet. In allen Versuchsfahrzeugen war zusaetzlich ein Unfalldatenspeicher installiert. Es wurden Geschwindigkeitsaenderungen von 8,7 bis 14,2 km/h bei den Pkw und 8,3 bis 10,6 km/h bei den Autoskootern realisiert. Die mittleren Beschleunigungen lagen zwischen 2,1 und 3,6 g bei den Pkw und 1,8 bis 2,6 g bei den Autoskootern. Weder bei den orthopaedischen Untersuchungen, der computerunterstuetzten Ueberpruefung der Beweglichkeit, noch den kernspintomographischen Untersuchungen wurden Verletzungen der Freiwilligen festgestellt. Nur ein maennlicher Proband gab nach den Versuchen ueber einen laengeren Zeitraum von 10 Wochen eine Einschraenkung der Linksrotation an. Keiner der Probanden berichtete ueber gravierende Beschwerden. Die kollisionsdynamischen Ausgangsparameter zur Ermittlung der biomechanischen Insassenbelastung bei Autoskooter- und Pkw-Kollisionen lagen bei leichten bis maessigen Verformungen der Pkw in gleicher Groessenordnung und zeigten einen weitgehend identischen Verlauf. Allgemein konnte durch die Versuche bestaetigt werden, dass die sich bei Geschwindigkeitsaenderungen von bis zu 10 km/h ergebenden biomechanischen Insassenbelastungen problemlos ohne Verletzungsfolge von der Halswirbelsaeule toleriert werden. Fuer die Praxis der technischen Analyse sind die bei den Versuchen erzeugten Beschaedigungsbilder der Fahrzeuge eine wesentliche Arbeitsgrundlage. (A)

  • Availability:
  • Authors:
    • MEYER, S
    • WEBER, M
    • Kalthoff, W
    • SCHILGEN, M
    • CASTRO, W
  • Publication Date: 1999

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01202264
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 6:56PM