Bemessungsgrundlagen fuer den frostsicheren Oberbau von Verkehrsflaechen

Die Auswertung der Fachliteratur der letzten zwei Jahrzehnte ueber die Wirkung von Frost auf Verkehrswege zeigt, dass der Trend in der internationalen Frostforschung zu einer komplexen Bewertung der Frostwirkung im Bedingungsgefuege Boden-Wasser-Frost-Belastung geht. Die Frostempfindlichkeit der Boeden kann nicht nur nach Kornkriterien abgeschaetzt werden. Eigenschaften wie zum Beispiel spezifische Oberflaeche, Porengroessenverteilung, Kapillaritaet, Plastizitaet und Mineralgehalt bestimmen weitgehend die Neigung von Boeden zu Frostschaeden. Die sicherste Aussage gestatten Frostversuche, bei denen Frosthebung und Tauerweichung beurteilt werden. Diesem Kenntnisstand entspricht auch die Empfehlung des Technischen Komitees fuer Frost (TC-8 der ISSMFE), die Frostgefaehrdung eines Bodens in drei Stufen mit steigender Zuverlaessigkeit zu bestimmen. In der Studie wird dem Frostverhalten von Boden-Kalk-Gemischen besondere Aufmerksamkeit gewidmet, wozu Laboruntersuchungen (BRANDL und andere) sowie Ergebnisse von Versuchsabschnitten ausgewertet werden. Zum weiteren Erkenntnisgewinn ist zu empfehlen, das Gebrauchsverhalten von kalkbehandelten frostempfindlichen Boeden im Planumsbereich von Verkehrsflaechen systematisch im Rahmen eines nachfolgenden Forschungsthemas zu untersuchen. Die deutschen Bemessungsregeln fuer den frostsicheren Strassenoberbau werden mit denen der Nachbarlaender Oesterreich, Schweiz, Frankreich, Daenemark sowie den USA verglichen. Die Frostbemessung in den genannten Laendern ist vielfach differenzierter, was nicht unbedingt mit treffsicherer gleichzusetzen ist. Ein Vergleich anhand von Bemessungsbeispielen ist problematisch, da sich Eingangsgroessen und Vorgehen weitgehend unterscheiden. Insgesamt festigte sich die Ueberzeugung, dass die in Deutschland praktizierte Bemessung im Prinzip beibehalten werden sollte. Mit der Einheit von Theorie und Empirie und den Freiraeumen fuer oertliche Anpassungen entspricht sie dem stochastischen Charakter der Frosteinwirkung auf Verkehrswege. Sie schafft objektiv die Voraussetzung fuer eine sinnvolle, ausgewogene Dimensionierung des Strassenoberbaus. Die Treffsicherheit wird von Wissen und Erfahrung der Entwurfsbearbeiter bestimmt. Deshalb muss der Qualifizierung sowie der Erfassung und dem Austausch von praktischen Erfahrungen besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Durch eine Befragung sollte analysiert werden, wie in der Entwurfspraxis die Freiraeume der Vorschriften, speziell der RStO (Richtlinien fuer den Strassen-Oberbau), genutzt werden. Im Ergebnis der Studie werden Vorschlaege unterbreitet, die Vorschriften in einzelnen Punkten zu erweitern und zu korrigieren. Das betrifft folgende Problemkreise: - Bei der Zuordnung gemischtkoerniger Boeden zu den Frostempfindlichkeitsklassen F1 bis F3 sollte neben der Abstufung der Mineralgehalt beruecksichtigt werden. - Frosthebungsversuche sind in Durchfuehrung und Bewertung langfristig zu vereinheitlichen, wobei gemeinsame Loesungen fuer die frostexponierten europaeischen Laender anzustreben sind. - Die hydrologischen Verhaeltnisse sollten auf drei Faelle erweitert werden. Die Konsistenzzahl Ic kann als Hilfsmittel fuer die Festlegung herangezogen werden. - Bei der Zuordnung zu einer Frosteinwirkungszone I bis III koennen die Frosteinwirkungsgebiete der Eisenbahn zusaetzlich beruecksichtigt werden. - Die langfristige Klimaentwicklung ist zu analysieren, ob die Frostbemessung nach dem strengen Winter 1962/63 noch gerechtfertigt ist. - Die guten praktischen Erfahrungen mit dem Einbau von Recycling-Baustoffen in ungebundenen Tragschichten berechtigen dazu, die einschlaegigen Lieferbedingungen zu ueberarbeiten.