PRUEFVERFAHREN ZUR BEURTEILUNG DER FLUGROSTANFAELLIGKEIT VON SPANNSTAHLOBERFLAECHEN UNTER BAUPRAKTISCHEN BEDINGUNGEN

Die Spannkrafteintragung bei Vorspannung mit nachtraeglichem Verbund stellt besondere Anforderungen an die Unempfindlichkeit der verwendeten Spannstaehle gegenueber Oberflaechenkorrosion. Um unplanmaessigen Reibkrafterhoehungen infolge Flugrostbefall vorzubeugen und eine einwandfreie Eintragung der planmaessigen Vorspannung insbesondere bei verringerten Ueberspannreserven nach Eurocode 2 zu gewaehrleisten, sollten bei erhoehter Korrosionsgefahr ausschliesslich Spannstaehle mit einer geringen Flugrostempfindlichkeit verwendet werden. Das in diesem Bericht vorgestellte Pruefverfahren ermoeglicht eine praxisnahe Beurteilung der Korrosionsneigung von Spannstahloberflaechen. Ungeeignete Spannstahlsorten koennen so fruehzeitig erkannt und von der Anwendung bei Spanngliedern ausgeschlossen werden, die zwischen dem Einbau und dem Vorspannen einem verstaerkten Korrosionsangriff ausgesetzt sind. Die entwickelte Pruefvorrichtung ist unabhaengig von stationaeren Pruefmaschinen und kann sowohl in Materiallaboratorien als auch auf Baustellen verwendet werden. Das Pruefverfahren sieht eine zweistufige Untersuchung vor: Eine Klimabeanspruchung ueber 72 Stunden mit einer definierten Kondenswasserbildung an der Spannstahloberflaeche und eine anschliessende Ueberpruefung des Reibungsverhaltens in einem speziellen Kleinmodellpruefstand. Der Pruefstand ermoeglicht eine einfache Beurteilung des Flugrostbefalls hinsichtlich der wahrscheinlichen Reibkrafterhoehungen beim Vorspannen. Auf der Grundlage der Reibungsueberpruefung im Zustand vor und nach der Klimabeanspruchung werden fuer Spannstaehle Flugrostempfindlichkeitsklassen definiert sowie Anwendungsgrenzen bei unterschiedlicher Korrosionsneigung angegeben. Alternativ wird eine weitere Moeglichkeit der Bewertung von korrosiven Veraenderungen von Spannstahloberflaechen ueber eine genaue Ermittlung der Menge der entstehenden Korrosionsprodukte aufgezeigt. Die Entwicklung des Pruefverfahrens wurde durch umfangreiche experimentelle Untersuchungen begleitet. Neben den Funktionsueberpruefungen des Kleinmodellpruefstandes mit Variation der einzelnen Versuchsparameter wurden Versuche zum Korrosionsverhalten von Spannstaehlen bei unterschiedlichen Pruefklimaten durchgefuehrt. Der elektrochemische Korrosionsangriff wurde dabei als Hauptursache fuer die Flugrostbildung an der Spannstahloberflaeche bestaetigt. Darueber hinaus ergeben sich eindeutige Hinweise auf die Beeinflussung der Korrosionsneigung von Spannstaehlen durch die Rueckstaende verbrannter Schmiermittel aus dem Ziehvorgang. Bei den vorgenommenen Ueberpruefungen an zwei Spannstahlsorten mit einer stark unterschiedlichen Korrosionsneigung hat sich das entwickelte Pruefverfahren durchaus bewaehrt. Fuer die Anwendung in der Praxis sowie genauere Festlegung von zulaessigen Grenzen der Korrosionsneigung fuer Spannglieder mit nachtraeglichem Verbund sind allerdings ausfuehrlichere Untersuchungen an Produkten unterschiedlicher Spannstahlhersteller notwendig. Ferner erscheinen Ueberpruefungen des Korrosionsverhaltens von Spannstaehlen unter reellen Baustellenbedingungen zweckmaessig.