Ersatz des Paraffingehaltes als optionales Anforderungskriterium im Rahmen der europaeischen Normung

Kristallines Paraffin kann die Gebrauchseigenschaften von Bitumen beeintraechtigen, indem es verschaerfte Sproedigkeit bei tiefen Temperaturen, verminderte Haftfaehigkeit sowie eine Viskositaetsanomalie beim temperaturbedingten Einloesen der Kristalle in die Bitumenmatrix verursacht. Das Ausmass dieser Beeintraechtigungen haengt von der chemischen Zusammensetzung und Kristallisationsfaehigkeit des Paraffins ab: makrokristallines Paraffin wirkt staerker als mikrokristallines Paraffin. Diese Wirkungen des Paraffins wurden experimentell an Real- und Modellsystemen bestaetigt. Sie fallen so schwach aus, dass Bitumen mit weniger als 2,2 Prozent DIN-Paraffin in dieser Hinsicht als unkritisch gelten koennen. Konsistenzdaten wie der dynamische Speichermodul oder die Belastungsgrenze zum strukturviskosen Fliessen (Yield Stress) sind als aussagekraeftige Qualitaetsmerkmale fuer die Kohaesion des Bitumens anzusehen. Sie werden hauptsaechlich von der Art des Kolloidsystems beeinflusst. Bitumensorten mit hohen Anteilen an schwerloeslichen Asphaltenen oder unguenstigen Loeser-Faeller-Verhaeltnissen fuer diese Fraktion fallen insbesondere durch vergleichsweise niedrige Yield-Stress-Werte auf. Fuer die weitere Forschungstaetigkeit auf der Bindemittelseite folgt, dass der Zusammenhang von Kolloidsystem und den genannten Konsistenzdaten vertieft untersucht werden sollte. Ziel sollte sein, Spezifikationen fuer Destillationsbitumen ueber seine kolloidchemische Zusammensetzung zu formulieren.