Minimierung der Zerschneidungseffekte durch Strassenbauten am Beispiel von Fliessgewaesserquerungen beziehungsweise Brueckenoeffnungen

Uneingeschraenkte Wandermoeglichkeiten und ein staendiger Individuenaustausch sind fuer den Fortbestand lokaler Tierbestaende von existenzieller Bedeutung. Am Schnittpunkt von Strasse und Fliessgewaesser besteht eine besondere Situation, da Fliessgewaesser und ihre begleitenden Vegetationsstrukturen fuer viele Tiere als Leitlinie und Wanderkorridor fungieren. Es wurde untersucht, unter welchen Bedingungen Tiere Fliessgewaesserquerungen als Biotopverbindungen annehmen, beziehungsweise durch welche Massnahmen die Akzeptanz gefoerdert werden kann. Die Untersuchungen erfolgten in den Jahren 1995 und 1996 an insgesamt 20 Fliessgewaesserquerungen. Bei der Auswahl der einzelnen Bruecken wurden unterschiedliche Dimensionen, Konstruktionen und Ausstattungen (Untergrund, Vegetation, Wasserbau) beruecksichtigt. Fuer die Analysen wurden verschiedene Insektengruppen, Saeuger, Voegel und die Artengemeinschaft des Gewaessergrundes herangezogen. Insgesamt hat sich folgendes ergeben: Aufgrund ihres geringen Ausbreitungsvermoegens ist fuer bodengebundene Insekten eine Biotopverbindung nur mittels eines durchgaengigen Pflanzenbewuchses zu gewaehrleisten. Bei Fluginsekten (Libellen, Koecher-, Stein- und Eintagsfliegen) und Voegeln wurde ein mehr oder weniger ausgepraegtes Meidungsverhalten beobachtet. In artspezifischer Intensitaet werden die Brueckenraeume von Kleinsaeugern als Biotopverbindung genutzt. Auch fuer das Wild ist - mit Ausnahme enger "Kastendurchlaesse" - von einer prinzipiellen Durchlaessigkeit der untersuchten Fliessgewaesserquerungen auszugehen. Bei einer nach oekologischen Gesichtspunkten ausgerichteten baulichen Gestaltung kann die Nutzung der Fliessgewaesserquerungen als Aufenthaltsstaette oder Wanderweg fuer Tiere deutlich optimiert werden. Grundsaetzlich anzustreben sind genuegend grosse und damit lichte Bauwerke, die eine Fortfuehrung der umgebenden Vegetationsstrukturen im aquatischen, amphibischen und terrestrischen Bereich ermoeglichen. Weitere Voraussetzungen fuer einen durchgehenden Pflanzenbewuchs sind eine natuerliche Bodenbeschaffenheit, ausreichende Belichtung und im terrestrischen Bereich eine Bewaesserung der ueberbrueckten Flaechen. Es werden praxisrelevante Empfehlungen gegeben.