Untersuchungen ueber die Wechselwirkungen zwischen Siedlungsstruktur und Verkehrssystem - Teil 1: Literaturanalyse und Untersuchungskonzept

Im Zusammenhang mit dem starken Wachstum des motorisierten Individualverkehrs (MIV) in den Verdichtungsraeumen gewinnen die Wechselwirkungen zwischen Siedlungsstruktur und Verkehrssystem zunehmend an Bedeutung. Dies betrifft insbesondere die Wirkungen von baulichen, betrieblichen, preis- und tarifpolitischen sowie ordnungspolitischen Massnahmen zur Verkehrsvermeidung und -verlagerung, die im Rahmen integrierter Verkehrskonzepte diskutiert werden. Im vorliegenden Teil A der Untersuchung wird der derzeitige nationale und internationale Kenntnisstand zum Forschungsthema im Rahmen einer umfassenden Literaturrecherche analysiert und darauf aufbauend ein empirischer Ansatz abgeleitet, mit dem die zu erwartenden Reaktionsweisen der Verkehrsteilnehmer auf Veraenderungen im Verkehrssystem untersucht werden koennen. Als wesentliches Ergebnis ist festzustellen, dass in sich konsistente und widerspruchsfreie Theorien zur Erklaerung der Wirkungszusammenhaenge bislang nicht formuliert werden konnten. Die Wechselwirkungen scheinen nur in mehrdimensionalen Ansaetzen (Multimethodenanalyse) unter Beruecksichtigung von komplexen Rueckkopplungsprozessen analysierbar zu sein. Im zeitlichen Verlauf des Forschungsprozesses zeigt sich eine zunehmende Verfeinerung des Untersuchungsinstrumentariums und eine Ausweitung des Kriterienspektrums. Eine gaengige Vorgehensweise bestand in der Erstellung aggregatstatistischer Analysen als Arbeitsbasis, die um Befragungen (Betriebsbefragungen, Expertenbefragungen oder Haushaltsbefragungen) ergaenzt wurden. Vor diesem Hintergrund ist als Forschungsdefizit festzustellen, dass ueber die individuellen Entscheidungsprozesse der Standortwahl noch nicht hinreichende empirische Erkenntnisse vorliegen. Mit einem weiterfuehrenden Untersuchungsansatz sollen Aufschluesse ueber diese Prozesse hinsichtlich der Zusammenhaenge zwischen Standortverhalten, Mobilitaet und Verkehrsangebot gewonnen werden. Das Ziel ist, die Vielzahl der Entscheidungsvariablen auf eine operationale Anzahl der relevanten Verhaltenskriterien zu reduzieren und das Gewicht des Verkehrsangebots im Entscheidungsprozess zu bewerten. Als methodisches Vorgehen wird eine Befragung von Haushalten, die im Zeitraum der letzten sechs Monate umgezogen sind, gewaehlt, wobei die Stichprobe bundesweit auf Verdichtungsraeume verteilt ist. Im Hinblick auf moegliche Reaktionen auf Massnahmen integrierter Verkehrskonzepte wird die Methode der Stated-preferences-Analyse angewandt.