Verkehrssicherheitsinitiativen in Oesterreich und in der EU

Im Endbericht einer Expertengruppe, die vor sechs Jahren von der EU eingeladen wurde, Vorschlaege zur Bewaeltigung des Alkoholproblems auf der Strasse zu machen, wird empfohlen, einheitlich in ganz Europa die 0,5 Promillegrenze einzufuehren. Gleichzeitig sollten fuer verschiedene Fahrergruppen beziehungsweise Fahrzeuggruppen unterschiedliche Alkohollimits gelten, zum Beispiel wie in Oesterreich die 0,1 Promillegrenze fuer professionelle Lenker. Weiters wird empfohlen, eine Mindestzahl an Kontrollen festzulegen. Die Expertengruppe schlaegt vor, Testungen mit Screening-Geraeten durchzufuehren, die keine unmittelbaren rechtlichen Konsequenzen haben. Erst wenn dabei eine Alkoholisierung festgestellt wird, sollte eine genauere Untersuchung mit Rechtsfolgen vorgenommen werden. Verlangt wird weiters, dass europaweit bei allen toedlichen Strassenverkehrsunfaellen Blutproben genommen werden muessen. In Kombination mit der einheitlichen Einfuehrung der 0,5 Promillegrenze und unter der Voraussetzung einer gemeinsam anerkannten Definition des Autounfalls waere es dann moeglich, endlich eine aussagekraeftige Statistik ueber Alkoholunfaelle zu erhalten. Die Studienergebnisse zum Anteil der Drogenunfaelle an den gesamten Verkehrsunfaellen sind sehr unterschiedlich. Generell ist ein hoher Anteil der Mehrfachanwendung von Drogen feststellbar. Drogenkonsum ist nicht nur ein Problem bei Jugendlichen. Die kombinierte Einnahme von Alkohol und Medikamenten betrifft vor allem die Altersgruppe ueber 40 Jahre. Unter den Begriff Drogen duerfen keinesfalls nur die illegalen Rauschmittel subsumiert werden. Auch legal verschriebene Medikamente, vor allem Beruhigungsmittel, muessen beachtet werden. Das Verhaeltnis von Lenkern unter Alkoholeinfluss zu jenen unter Drogeneinfluss liegt, wie mehrere Studien zeigen, bei etwa zwei zu eins. Fuer die Drogenerkennung gibt es eine ganze Reihe von Testmoeglichkeiten. Als Screeningmethode ist die Speicheltestprobe zu empfehlen, da mit ihr in kuerzester Zeit und ohne die Integritaet der Testpersonen in Frage zu stellen, ein grobes Vorergebnis erzielt werden kann. Mit Blut- und Harnuntersuchungen sind zwar genauere Ergebnisse erreichbar, es besteht aber dennoch das Problem, dass bei Blutuntersuchungen Falsch-Negative und bei Harnuntersuchungen Falsch-Positive Befunde erhoben werden. Vom Standpunkt der Verkehrssicherheit muesste man in Kauf nehmen, auch einige Falsch-Positive zu erwischen. Sie muessten dann durch weitere Verfahren wieder "weissgewaschen" werden. Vom Standpunkt der Rechtssicherheit wird die Entscheidung zugunsten der Blutuntersuchung als allein gueltigem Testverfahren ausfallen muessen. Fuer die Wiedererlangung des Fuehrerscheines bei Drogennachweis sollte der Klient bei der Behoerde einen Antrag auf Wiedererteilung der Lenkerberechtigung stellen. Der Amtsarzt muesste dann eine verkehrspsychologische Untersuchung anordnen. Diese koennte in schwierigen Faellen ergeben, dass zunaechst eine medizinisch-therapeutische Behandlung oder eine Langzeitrehabilitation durchzufuehren ist. Therapieprogramme sind dann erfolgversprechend, wenn sie in einem fruehen Stadium zum Einsatz kommen. Die Beitraege der im Anschluss an das Impulsreferat gefuehrten Diskussion sind in Kurzform angefuegt. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD-Nummer D346056. (KfV/A)

  • Authors:
    • KABA, A
  • Publication Date: 1999

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01200258
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 5:58PM