Frankreich setzt auf die Oeffis

Der Artikel beschaeftigt sich mit Problemen und Entwicklungen des lange Zeit vernachlaessigten oeffentlichen Nahverkehrs auf dem Lande und in den Ballungszentren Frankreichs. Die Bemuehungen um die Verbesserung des oeffentlichen Verkehrs werden beispielhaft anhand der drei Staedte La Rochelle, Nantes und Rennes vorgestellt. Seit den 90er Jahren veraendert sich die Einstellung der Buerger und Politiker angesichts der Verschlechterung der Lebensqualitaet in den Staedten zugunsten des oeffentlichen Verkehrs. Zu einem ernsten Problem ist in den letzten Jahren die Sicherheitsfrage geworden. Der Vandalismus kostet jaehrlich 8.000 Schilling pro Bus. Um das Fahren mit dem eigenen Auto auf dem Lande zurueckzudraengen, sind flexible Loesungen wie Minibusse, Ruftaxis und andere nachfrageorientierte Loesungen erforderlich. Geregelt und entwickelt wird der Personennahverkehr in Frankreich von der seit 20 Jahren bestehenden GART (Groupement des Autorites responsables de Transport). In ihr haben sich 2.000 Ballungsraeume, Departements und Regionen auf freiwilliger Basis zusammengeschlossen. GART bewirbt den oeffentlichen Verkehr, beraet die Mitglieder und organisiert den Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedern und der Industrie. 1982 wurde die Organisation des oeffentlichen Verkehrs dezentralisiert. Entscheidungen werden von den Gemeinden, Departements und Regionen getroffen. Vor vier Jahren musste jede Agglomeration ueber 100.000 Einwohner einen Mobilitaetsplan entwickeln. Im Ergebnis kam es in juengster Zeit zu einer Renaissance der Strassenbahn. Autobusflotten werden mit Gas oder mit dem von Elf-Aquitaine entwickelten Aquasol umweltfreundlich ausgeruestet. Ein grosses Problem ist die zuegellose Urbanisierung am Stadtrand und die mangelnde Verkehrserschliessung des staedtischen Umlands durch die zustaendigen Departements. La Rochelle gilt als Umweltmusterstadt Frankreichs. Sie betreibt mit 17 anderen Staedten im Umland ein Busnetz. Im Zentrum der Stadt befindet sich ein "multimodaler Platz". Hier werden die Buslinien gebuendelt, hier befindet sich eine Radabstellanlage und hier koennen Elektro-Roller gemietet werden. 600 Fahrradstaender gibt es im Stadtgebiet, in den Verkehrsverbund einbezogen ist auch die Faehre durch die Hafeneinfahrt. Taxis koennen an 82 Rufsaeulen geordert werden. Mit ihnen kann man zu einem fixen Fahrpreis zu verstreuten Standorten in der Stadt fahren. Derzeit wird eine elektrische Strassenbahn auf Gummiraedern erprobt. Die Stadt Nantes setzt auf den Ausbau der Strassenbahn. Semitan, die Transportgesellschaft des Grossraums Nantes, hat sich fuer einen neuen Tramwaytyp entschieden, den Incentro von ADtranz. 23 dieser 80 Stundenkilometer schnellen und bis zu 36 Meter langen Niederflur-Zuege wurden bestellt. Die neue Strassenbahn bietet Panoramablick und Klimatisierung, der Rueckspiegel ist durch Videomonitore ersetzt. Rennes wollte seine Altstadt bewahren und entschied sich daher fuer eine Metro, die dieses Jahr eroeffnet wird. Die vollautomatische Bahn stammt von Matra Transport International, einem Gemeinschaftsunternehmen von Matra und Siemens. Val 28 nennt sich die Bahn fuer Rennes. Sie hat Lauf- und Fuehrungsraeder aus Gummi, ist klimatisiert und weist eine hohe Motoreffizienz auf. Die in den Stationen angebrachten Glaswaende sollen Stuerze auf die Gleise verhindern. Die Glaswaende oeffnen sich beim Halten des Zuges gleichzeitig mit den Zugtueren. (KfV/A)

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 22-5
  • Monograph Title: Die Oelscheichs der neuen Generation
  • Serial:
    • VERKEHR & UMWELT
    • Volume: 14
    • Issue Number: 2
    • Publisher: N. J. SCHMID VERLAG GES.M.B.H.
    • ISSN: 1019-7346

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01200072
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 5:54PM