Abschaetzung des volkswirtschaftlichen Nutzens des Strassenverkehrs in der Schweiz

In der bisherigen Literatur zu den Wachstumseffekten des Verkehrs werden entweder die Wirkungen der Verkehrsinfrastruktur oder die Produktions- und Beschaeftigungseffekte aus der Erstellung von Verkehrsleistungen untersucht. Quantitative Schaetzungen zu den Produktivitaets- und Wachstumseffekten, die von der Nutzung des Verkehrssystems ausgehen, liegen erst fuer die Bundesrepublik Deutschland vor. Grundhypothese ist, dass die Mobilitaet ein elementarer Einflussfaktor auf die volkswirtschaftliche Arbeitsproduktivitaet ist. Die Abschaetzung des Einflusses des Verkehrs auf das Wachstum der schweizerischen Volkswirtschaft basiert auf Zeitreihen (1980-1995) aus der schweizerischen Statistik. Mit Hilfe von regressionsanalytischen Schaetzverfahren werden Zusammenhaenge zwischen Verkehrs- und Wirtschaftsentwicklung untersucht. Um den Einfluss des Verkehrs auf das Wirtschaftswachstum zu ermitteln, werden zwei Situationen miteinander verglichen. Situation 1 stellt die tatsaechliche Entwicklung der Verkehrsleistungen, der Arbeitsproduktivitaet und des Bruttoinlandproduktes (BIP) von 1980-1995 dar. Situation 2 stellt die Entwicklung der Arbeitsproduktivitaet und des BIP fuer den Fall dar, dass die Verkehrsleistungen ab 1980 konstant geblieben waeren. Der Transitverkehr wird dabei nicht beruecksichtigt, beim Personenverkehr wird nur der produktionsorientierte Pendler-, Ausbildungs- und Geschaeftsverkehr betrachtet. Bei der tatsaechlich stattgefundenen Verkehrsentwicklung liegt die mit Hilfe der Regressionsgleichungen berechnete Arbeitsproduktivitaet bei 96.366 Franken je Erwerbstaetigen und Jahr. Waere der private Strassenverkehr auf dem Stand von 1980 konstant geblieben, laege die Arbeitsproduktivitaet bei lediglich 89.024 Franken pro Jahr, also um 7,6 Prozent niedriger. Fuer 1995 sind 2,3 Prozent des BIP von der Entwicklung des privaten, produktionsorientierten Personenverkehrs und 5,3 Prozent von jener des Strassengueterverkehrs abhaengig. Aus der Entwicklung der Arbeitsproduktivitaet mit und ohne Wachstum des Strassenverkehrs laesst sich der Produktivitaetsbeitrag einer Verkehrsleistungseinheit berechnen. Fuer den privaten Strassenverkehr, also ohne Transit- und Freizeitverkehr, errechnet sich ein Gesamtnutzen von 57,9 Milliarden Franken. Davon sind 43 Milliarden Franken interner und 14,9 Milliarden externer Nutzen. Der Gesamtnutzen des Strassengueterverkehrs ohne Transit betraegt fuer 1995 48,6 Milliarden Franken. Davon sind 36,5 Milliarden Franken interner und 12,1 Milliarden Franken externer Nutzen. Insgesamt bewirkt der Strassengueterverkehr und der produktionsorientierte Individualverkehr in der Schweiz externe Nutzen in der Hoehe von 27 Milliarden Franken oder sieben bis acht Prozent des BIP. Diese 27 Milliarden Franken sind externe Nutzen, das heisst, sie fallen nicht bei den Benuetzern des privaten Strassenverkehrs, sondern bei Dritten oder der Allgemeinheit an. Stellt man diese Nutzen den von den Experten des Bundes fuer den gesamten privaten Strassenverkehr fuer 1995 ermittelten externen Kosten von rund sieben Milliarden Franken gegenueber, ergibt sich ein externer Nettonutzen von 20 Milliarden Franken. Damit faellt die These, wonach der private Strassenverkehr von der Allgemeinheit gestuetzt wird, in sich zusammen. (A)

  • Corporate Authors:

    UNIVERSITAET ZU KOELN, INSTITUT FUER VERKEHRSWISSENSCHAFT

    UNIVERSITAETSSTRASSE 22
    KOELN,   Deutschland  D-50923
  • Authors:
    • BAUM, H
    • KURTE, J
  • Publication Date: 2000

Language

  • German

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  • Pagination: 44S

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  • Accession Number: 01199907
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
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  • Created Date: Oct 7 2010 5:50PM