Die Bedeutung des Konzeptes der Feldabhaengigkeit am Beispiel des verkehrspsychologischen Testverfahrens DR2

Die Diplomarbeit besteht aus zwei Studien. Die erste dient der Erfassung der Feldabhaengigkeit im verkehrspsychologischen Testverfahren DR2 und deren Auswirkungen auf das Fahrverhalten, in der zweiten wurde die Einstellung von Autofahrern zu Kavaliersdelikten im Strassenverkehr untersucht. Studie 1: Der kognitive Stil einer Person, zu dem auch die Feldabhaengigkeit zaehlt, ist fuer die Verkehrssicherheit bedeutsam. Feldunabhaengige Personen koennen einzelne Komponenten eines komplexen Reizmusters schnell und voneinander isoliert wahrnehmen, feldabhaengige Personen neigen dagegen zu einer globalen Art der Umweltwahrnehmung und brauchen ziemlich lange, um einzelne Komponenten zu finden. Einer Stichprobe von 100 Personen wurde neben der verkehrspsychologischen Untersuchung (Intelligenz-, Konzentrations-, Reaktions- und Persoenlichkeitstest - DR2) am Kuratorium fuer Verkehrssicherheit zusaetzlich der Gestaltwahrnehmungstest (Hergovich & Hoerndler, 1994) zur Messung der Feldabhaengigkeit vorgegeben. Feldabhaengige Testpersonen benoetigen laenger zum Erkennen der geforderten Reize, insgesamt reagieren sie um drei Hundertstelsekunden spaeter als feldunabhaengige. Feldabhaengige entdecken den relevanten Reiz zwar spaeter, die anschliessende Reaktion wird aber genauso schnell ausgefuehrt wie von Feldunabhaengigen. Diese Verzoegerung koennte jedoch im Strassenverkehr bereits zu Unfaellen oder Konflikten fuehren. Es konnte jedoch kein Zusammenhang zwischen Feldabhaengigkeit und Unfallhaeufigkeit der untersuchten Stichprobe nachgewiesen werden. Feldabhaengige lassen sich weiters haeufiger von anderen, nicht geforderten Reizen ablenken, fuehren dann wiederum die falsche Reaktion nicht bis zum Ende aus. Studie 2: Befragt wurden 204 Personen, 100 aus dem privaten Umfeld und 104 Personen, die zur verkehrspsychologischen Untersuchung am KfV (Kuratorium fuer Verkehrssicherheit) vorgeladen waren. Der Fragebogen enthielt vier Personenbeschreibungen, eine Selbstbeurteilung und eine Direktbeurteilung, die mit Hilfe eines Semantischen Differentials abgefragt wurden. Die Faktorenanalyse ergab bei den Personenbeschreibungen zwei Faktoren. Der erste Faktor enthaelt jene Gegensatzpaare, die mit "Spannung - Wagemut zeigen" umschrieben werden koennen. Dieser Faktor impliziert ein hoeheres Risiko. Der zweite Faktor erfasst eine "defensive - vorausschauende Fahrweise". Hier wird vor allem das Miteinander und die Ruecksicht im Strassenverkehr betont. Die Haeufigkeitsverteilung beim Gegensatzpaar Verkehrsverstoss-Kavaliersdelikt ergibt, dass das Ueberholen auf der rechten Spur am strengsten beurteilt wird. Gelegentliches Schnellfahren wird als Kavaliersdelikt gesehen. Die Deliktbeurteilung ergab, dass alkoholisiertes Autofahren genauso schwerwiegend beurteilt wird wie die schwere Koerperverletzung, Betrug oder Diebstahl. Das Hineingleiten ins Ortsgebiet mit 60 Stundenkilometern wird genauso entschuldbar wie Sonntagszeitung stehlen eingestuft. Frauen schaetzen eine Person, die im alkoholisierten Zustand mit dem Taxi nach Hause faehrt, mutiger ein als Maenner. Die maennliche Stichprobe beurteilte gelegentliches Schnellfahren staerker als Kavaliersdelikt. Die Korrelationen mit dem Alter der befragten Personen zeigt, dass aeltere Verkehrsteilnehmer bereits vernuenftigere Einstellungen zum Strassenverkehr haben. Juengere Autofahrer schaetzen sich selbst als risikobereiter ein. (KfV/A)

  • Corporate Authors:

    UNIVERSITAET WIEN (OESTERREICH), GRUND- UND INTEGRATIVWISSENSCHAFTLICHE FAKULTAET

    DR. KARL LUEGER-RING 1
    WIEN,   OESTERREICH  A-1010
  • Authors:
    • KRUPAN, C
  • Publication Date: 2000-3

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 141S

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01199867
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 5:49PM