Die Bahn am Zug. Der Wettbewerb ist eroeffnet

Seit einigen Jahren sind drei EU-Richtlinien zur Deregulierung des Eisenbahnverkehrs in Kraft. Jedes Eisenbahnunternehmen hat freien Zugang zu den Eisenbahnnetzen innerhalb der EU. Der Infrastrukturbereich wurde rechtlich und organisatorisch vom Verkehrsbereich getrennt und eigens gegruendete Unternehmungen stellen gegen ein nichtdiskriminierendes Entgelt die Schieneninfrastruktur zur Verfuegung. Von Ausnahmen wie dem Stadt- und Regionalverkehr abgesehen, haben somit die Eisenbahnunternehmen auf allen Schienenwegen die gleichen Bedingungen. Einzige Voraussetzung ist die Konzessionierung der Unternehmen durch staatliche Aufsichtsorgane. In Oesterreich haben vier Unternehmen eine solche eisenbahnrechtliche Konzession erhalten. Bisher gab es keine nennenswerten internationalen Veraenderungen beziehungsweise Verschiebungen. Die ausgebliebene Internationalisierung duerfte damit zusammenhaengen, dass die Eisenbahnunternehmen von der raschen EU-Beschlussfassung ueberrascht wurden und aufgrund ihrer Strukturen nicht imstande waren, schnell zu reagieren. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass sich dies, besonders auch im Zuge des Ausbaus der Transeuropaeischen Netze (TEN), aendern wird. Die Eisenbahngesellschaften stehen nicht nur in gegenseitigem Wettstreit. Sie haben auch den Konkurrenzkampf mit anderen Verkehrstraegern zu fuehren, verlieren dabei staendig Anteile an den Pkw- und Lkw-Verkehr. So hatten die OEBB 1999 im Fernverkehr einen Marktanteil an den Personenkilometern von 4,7 Prozent, beim Nahverkehr von 5,9 Prozent. Gegenueber 1995 bedeutet dies einen Rueckgang von 7,5 beziehungsweise 5,3 Prozent. Im Gueterverkehr liegt der OEBB-Anteil an den Tonnenkilometern jedoch bei bemerkenswerten 35 Prozent (EU-Durchschnitt rund 14,4 Prozent). Die seit Beginn der 90er Jahre zu beobachtende Verschiebung der Investitionen vom Strassenbau hin zum Schienenverkehr ist bisher noch nicht angebotswirksam geworden, wird jedoch in Zukunft zu einer Attraktivierung der Bahn fuehren. Um eine Oekologisierung des Verkehrs herbeizufuehren, sind jedoch noch weiterreichende Massnahmen erforderlich. Der stets eingeforderten Marktwirtschaft wurde in nahezu allen Bereichen durch gesetzliche Massnahmen zum Durchbruch verholfen. Ausgenommen bleibt bis heute der Strassenverkehr. So deckt der Strassengueterverkehr lediglich ein Drittel seiner Kosten. Es fehlen Anreize fuer das Umsteigen vom Pkw auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel. Allerdings haben auch die Bahnen ihr internes Reformpotenzial noch laengst nicht ausgeschoepft. Die durchschnittliche Tuer zu Tuer-Reisegeschwindigkeit liegt, wie eine von einer schwedischen Elektrofirma in Auftrag gegebene Studie zeigt, bei 16 Stundenkilometern und 85 Prozent aller Waren werden verspaetet geliefert. Auch im Personenverkehr koennen die Bahnen noch viele Verbesserungen durchfuehren. Die Eisenbahnliberalisierung wird nur dann eine Wettbewerbsverbesserung der Schiene gegenueber der Strasse bringen, wenn der Strassengueterverkehr durch umfassende Massnahmen gezwungen wird, kostendeckend zu arbeiten. Sonst wird es nur die Zerschlagung der bestehenden Bahnen, schlechtere Arbeitsbedingungen und eine weitere Vernichtung von Bahn-Arbeitsplaetzen geben. (KfV/A)

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  • German

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  • Created Date: Oct 7 2010 5:46PM