Mobilitaet von Jugendlichen in Oesterreich

Teil I der vorliegenden Arbeit enthaelt allgemeine und statistische Angaben zu Fuehrerscheinbesitz, Verkehrsunfaellen und Verkehrsteilnahme von Jugendlichen in Oesterreich. In Teil II werden die Ergebnisse einer schriftlichen Befragung von Jugendlichen praesentiert. Sie hatte das Ziel, Mobilitaetsverhalten und Mobilitaetsbeduerfnisse der Jugendlichen zu erfassen und wurde im ersten Halbjahr 1997 durchgefuehrt. Der im Anhang abgedruckte Fragebogen basiert auf einschlaegiger Fachliteratur und Diskussionsrunden, die an drei Schulen mit jeweils etwa 15 Jugendlichen durchgefuehrt und auf Band aufgezeichnet wurden. Die Fragebogenerhebung erfolgte an insgesamt 179 per Zufallsverfahren durch das Oesterreichische Schulrechenzentrum ausgewaehlten Schulen. Pro Schule wurde eine Klasse befragt. 4.040 Frageboegen wurden verschickt, in die Auswertung gingen 2.073 Frageboegen ein. Die Repraesentativitaet nach Schultypen und Bundeslaendern ist groesstenteils gewaehrleistet, der Grossteil der befragten SchuelerInnen war zwischen 15 und 19 Jahre alt. Die Stichprobe setzte sich aus 49 Prozent maennlichen und 51 Prozent weiblichen Jugendlichen zusammen, 67 Prozent kamen aus laendlicher Umgebung. Die Auswertung erfolgte nach soziodemographischen Variablen, Freizeitverhalten und persoenlicher Lebenszufriedenheit. Mittels Clusteranalyse wurde eine Unterteilung der Jugendlichen in folgende fuenf Typen vorgenommen: 1. Optimistischer Siegertyp (N ist 472); 2. Ausbrecher (N ist 638); 3. Familientyp (N ist 199); 4. Pessimistischer Einzelgaenger (N ist 245); 5. Ausgeglichener Individualist (N ist 207). Der "Ausbrecher" unterscheidet sich in seinem Mobilitaetsverhalten deutlich von den anderen Typen. Er erweist sich als Mopedfan mit risikofreudigem Fahrverhalten, nennt signifikant seltener als die anderen Jugendlichen rationale Zweckbeduerfnisse. 43 Prozent der Jugendlichen besitzen zum fruehestmoeglichen Zeitpunkt eine Lenkerberechtigung, naemlich einen Mopedausweis mit 16 Jahren. Rund 84 Prozent aller Jugendlichen haben ein Fahrrad. Fuer die Alltagsmobilitaet verliert es mit zunehmendem Alter kontinuierlich an Bedeutung. Mitfahrgelegenheiten und Oeffentliche Verkehrsmittel haben bis zum 18. Lebensjahr die groesste subjektive Wichtigkeit, danach der Pkw. 75 Prozent der Jugendlichen verwenden das Fahrrad mehr oder weniger regelmaessig, vorwiegend fuer kuerzere Wegstrecken und in der Freizeit. Die Haelfte der Mopedfahrer verwendet das Fahrzeug fuer die woechentliche Fahrt in die Diskothek und fuer das "Herumfahren zum Spass". 72 Prozent der Jugendlichen haben als Mitfahrende grosses Vertrauen in den Fahrzeuglenker. Am zufriedensten sind jene Jugendlichen, die als Pkw-Lenker unterwegs sind. Am unzufriedensten sind die Mopedmitfahrer und die Benutzer Oeffentlicher Verkehrsmittel. Als Vorteile des Autos werden Bequemlichkeit, Unabhaengigkeit, Flexibilitaet, Spontanitaet und Schnelligkeit genannt. Die Benutzung Oeffentlicher Verkehrsmittel gilt als "zeitraubend" und die Jugendlichen fuehlen sich dabei "abhaengig". Mittels Faktorenanalyse wurden zwei Motiv-Gruppen fuer die Pkw-Benutzung herausgefiltert, die erste umfasst Extrabeduerfnisse, die zweite zweckorientierte Beduerfnisse. Extrabeduerfnisse sind auf Spannungsabbau und Nervenkitzel ausgerichtet, daher mit erhoehtem Unfallrisiko verbunden. Sie spielen bis zum 17. Lebensjahr eine herausragende Rolle. Maennliche Jugendliche nennen erwartungsgemaess haeufiger Extramotive als weibliche. (KfV/A)

  • Corporate Authors:

    KURATORIUM FUER VERKEHRSSICHERHEIT, INSTITUT FUER VERKEHRSERZIEHUNG

    OELZELTGASSE 3
    WIEN,   OESTERREICH  A-1031
  • Authors:
    • Weber, K
    • SIGL, U
  • Publication Date: 2000-1

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 66S

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01199701
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 5:46PM