Unterschiede bei der Bewertung des Einflusses von Drogen und Alkohol im Strassenverkehr

Fahruntuechtigkeit unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen berauschenden Mitteln wird strafrechtlich sanktioniert. Alkohol wird nach wie vor am haeufigsten konsumiert. Deshalb sind die vielfaeltig wissenschaftlich untersuchten Zusammenhaenge zwischen der Blutalkoholkonzentration und den Wirkungen des Alkohols (Ethanol) haeufig Leitgedanke fuer die Forderung nach Grenzwerten und fuer die rechtliche Bewertung des Einflusses anderer berauschender Mittel im Strassenverkehr. Beim Vergleich von Alkohol mit illegalen Rauschmitteln, wie zum Beispiel Cannabis, Heroin oder Cocain, wird jedoch deutlich: Alkohol ist ein vergleichsweise schwach wirksames Rauschmittel und nimmt toxikologisch eine Sonderrolle ein. Vom Alkohol verschieden sind bei Rauschmittel-Wirkstoffen: - die Art der Wirkung; - die relative Wirkstaerke (circa zehntausendfach geringere wirksame Dosis als Ethanol); - der Abbau und die Ausscheidung; - die Beteiligung von Stoffwechselprodukten an den Wirkungen; - die Nachweismoeglichkeiten von Wirksubstanzen und Stoffwechselprodukten; - die Beziehung zwischen Blutalkohol- beziehungsweise -rauschmittelkonzentrationen und den Wirkungen; - neben der Rauschwirkung bestehende zentralnervoese beziehungsweise toxische Einfluesse und deren Auffaelligkeit nach aussen hin; - das Abhaengigkeitspotential. Drei Grundeinfluesse der Drogenwirkung auf das Zentralnervensystem bestehen in zentral daempfender (1), zentral stimulierender (2) und halluzinogener Wirkung (3). Beim zentral daempfend wirkenden Alkohol wird in der Regel durch grobmotorische Stoerungen bedingte Auffaelligkeit als Beleg fuer Fahruntuechtigkeit gewertet. Der Grad der Berauschung als Grund fuer Fahrfehler ist kaum zu bestimmen und bleibt eher unberuecksichtigt. Wirkmechanismen sowie mentale oder psychische Stoerungen der Wahrnehmung und Reizverarbeitung sind je nach Substanzeigenschaft anders. Mit dem Konsum illegaler Rauschmittel verknuepfte motorische Stoerungen sind haeufig weniger ausgepraegt. Wird zwischen vom Konsumenten erwuenschten (psychotropen) und Neben- beziehungsweise unerwuenschten (toxischen) Wirkungen unterschieden, so ist hinsichtlich der Dauer des Einflusses bei illegalen Rauschmitteln auch zu beruecksichtigen, dass neben der akuten berauschenden Wirkung mit der Zeit - bei abklingender Stoffkonzentration im Blut - postakute Zustaende und Entzugs- beziehungsweise Erschoepfungssyndrome als unmittelbare Einfluesse regelmaessig auftreten. Haeufig sind deshalb auch Kombinationseinfluesse verschiedener Stoffe zu beobachten. Diese Besonderheiten erschweren wissenschaftlich tragfaehige, griffige und fuer die Rechtsprechung wuenschenswerte Grenzwertloesungen zur absoluten Fahruntuechtigkeit. (A) Vortrag, gehalten zum Thema "Begutachtung drogen- und alkoholauffaelliger Kraftfahrer" des 37. BDP-Kongresses fuer Verkehrspsychologie vom 14.-16.9.1998 in Braunschweig. Siehe auch Gesamtaufnahme des Kongresses, ITRD-Nummer D344401.

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01199328
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • ISBN: 3-931589-31-5
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 5:39PM