Ueberlegungen zum Geschwindigkeitsregime innerorts in der Schweiz

Seit 1. Mai 1989 bestehen in der Schweiz gesetzliche Grundlagen zur Realisierung von Tempo 30-Zonen in Wohngebieten. Gegenwaertig entfallen 70 Prozent der registrierten Unfaelle, 60 Prozent der Verletzten und knapp 40 Prozent der Getoeteten auf den Innerortsbereich. Die Entwicklung der Unfaelle in den letzten Jahrzehnten belegt, dass das Risiko der schwachen Verkehrsteilnehmer erheblich gesunken ist und dass die raeumliche und zeitliche Trennung der Verkehrsteilnehmer deutliche Erfolge gebracht hat. Derzeit ist eine vom Verkehrsclub der Schweiz (VCS) initiierte Volksinitiative zur Neuregelung der Innerortsgeschwindigkeit im Gang. Die VCS-Initiative hat zum Ziel, Tempo 30 generell auf Innerortsstrassen einzufuehren. Die geltenden Regelungen fuer die Tempo 30-Zonen werden heute nicht mehr einheitlich angewandt und teilweise sogar nicht mehr beachtet. Deshalb steht die Neuregelung des gesamten Komplexes der Innerortsgeschwindigkeit auf der Tagesordnung. Die Schweizerische Beratungsstelle fuer Unfallverhuetung (bfu) diskutierte im Fruehjahr 1988 das schwedische Modell "Vision Zero" und formulierte ihre langfristige Zielsetzung neu. Demnach sollen systemimmanente Unfaelle keine fatalen Folgen haben koennen. Weiters sind Unfaelle mit Schwerverletzten und Getoeteten mit allen zur Verfuegung stehenden Mitteln zu reduzieren. Mittelfristig soll es weniger als 350 Getoetete im Strassenverkehr geben (derzeit etwa 600). Deshalb muessen die Verkehrswege jener Verkehrsteilnehmer, deren Geschwindigkeiten sich nicht homogenisieren lassen, konsequent weiter getrennt oder entsprechend geschuetzt werden. Ferner muss das durchschnittliche Geschwindigkeitsniveau innerorts um mindestens fuenf Stundenkilometer gesenkt werden. Bei einer Neuregelung der Innerortsgeschwindigkeit sollte vom geltenden Grundsatz, dass das lokale Erscheinungsbild den allgemeinen Tempolimits zu entsprechen habe, abgewichen werden. Das heterogene Strassennetz sollte in drei Teile gegliedert und jedem dieser drei Teile ein gesetzlich verankertes, allgemeines Tempolimit zugeordnet werden. Strassentyp I bestuende in einem solchen Modell aus verkehrsorientierten Strassen mit Durchleitungsfunktion und einer Hoechstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern. Strassentyp II wuerde den groessten Teil des siedlungsorientierten Strassennetzes umfassen und einer Hoechstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern unterliegen. Strassentyp III waere fuer spezielle Loesungen mit Schrittgeschwindigkeit innerhalb des Strassentyps II vorgesehen. Abschliessend werden noch einige offene Fragen im Zusammenhang mit dem bfu-Vorschlag aufgeworfen, etwa jene nach der Abgrenzung und Definition oder nach der Visualisierung der Uebergaenge zwischen den einzelnen Strassentypen. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD-Nummer D335887. (KfV/A)

  • Authors:
    • THOMA, J
  • Publication Date: 1999

Language

  • German

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Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01199047
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 5:33PM