Fahrverhalten und Unfallgeschehen in Kurven, Fahrverhalten in Kurvenbereichen

Gegenstand der vorliegenden Arbeit sind Untersuchungen des Fahrverhaltens in Kurvenbereichen, mit Schwergewicht auf dem Spurverhalten. Dabei wurden: 1. eine Typisierung der Fahrvorgaenge nach der Art der Spurverlaeufe laengs Kurven entwickelt, sechs Spurtypen (Idealverhalten, Normalverhalten, Korrigieren, Schneiden, Ausholen und Hinaustragen) definiert und ihre charakteristischen Merkmale ermittelt; 2. die Haeufigkeit des Auftretens einzelner Spurtypen und deren Zusammenhaenge mit der Kurvengeometrie beurteilt; 3. Zusammenhaenge zwischen Spurverhalten und Unfallgeschehen in Kurven untersucht. Die Erhebungen wurden in Kurven auf Strassen ausserorts (Tempo 80 km/h) mit Radien zwischen 65 und 220 m durchgefuehrt. Gemessen wurde mit einer Messeinrichtung, die zur Tarnung in gewoehnlichen Strassenleitpfosten eingebaut ist ("Messpfosten"). Die bis zu 12 Messpfosten wurden laengs der Kurvenbereiche aufgestellt. Sie erlauben die Erfassung von Durchfahrtszeiten, Fahrtrichtungen, Fahrzeuglaengen, Geschwindigkeiten und Abstaende der Fahrzeuge vom Fahrbahnrand. Fuer die Auswertung der Messdaten musste ein umfangreiches EDV-Programmsystem erarbeitet werden, welches unter anderem die Rekonstruktion der Spurverlaeufe einzelner Fahrzeuge und ihre Darstellung auf dem Hintergrund der tatsaechlichen Kurvensituation ermoeglicht. Alle Auswertungen erfolgten bezueglich Geschwindigkeits- und Spurverhalten, und zwar fuer die Gruppe "alle Fahrzeuge" und fuer die Teilmengen "einzelne Spurtypen". Wichtigste Erkenntnisse bezueglich des Spurverhaltens: 1. Die Fahrzeuglenker fahren grundsaetzlich in einem deutlich groesseren Abstand zum Strassenrand als zur Mittellinie und zwar sowohl in Links- als auch in Rechtskurven und weitgehend unabhaengig von der Fahrbahnbreite. 2. Die Bahnkurven setzten sich aus einer Folge von Kruemmungsspruengen zusammen. Dadurch treten lokal hohe Querbeschleunigungen auf. Sie sind primaer eine Folge der durch die Fahrzeuglenker vorgenommenen Lenkkorrekturen. In Kurven mit kleinen und mittleren Radien sind die lokalen Querbeschleunigungen oft mehr als zweimal groesser als jene bei einem "normgemaessen" Fahrverhalten. 3. Die Untersuchung hat bestaetigt, dass in Kurven verschiedene Muster von Spurverlaeufen vorhanden sind, und dass die Haeufigkeit der einzelnen Spurtypen von Kurve zu Kurve zum Teil sehr unterschiedlich ist. 4. Zwischen Spurtypenhaeufigkeit und Kurvengeometrie konnten nur tendenzielle Zusammenhaenge festgestellt werden, wobei sie beim Verhaeltnis Klothoidenparameter / Kurvenradius, bei der Kreisbogenlaenge und bei den Fahrstreifenbreiten am deutlichsten waren. 5. Die hoechsten Geschwindigkeiten im Kurvenbereich weisen die Spurtypen "Schneiden" (in Linkskurven) und "Ausholen" (in Rechtskurven) auf. Obwohl bei Spurverlaeufen dieser Art angenommen wird, sie wuerden ausgefuehrt, um die Querbeschleunigung waehrend der Kurvenfahrt zu kompensieren, haben die Erhebungen gezeigt, dass bei diesen Spurtypen im Mittel die groessten lokalen Querbeschleunigungen auftreten. 6. Die lokal groessten Spurkruemmungen ergaben sich beim Spurtyp "Korrigieren", wobei sie (aehnlich wie bei anderen Spurtypen) in den allermeisten Faellen mit jenen Orten zusammenfallen, in welchen auch die groessten Querbeschleunigungen ermittelt wurden. 7. Beim Spurtyp "Korrigieren" liegen die Querbeschleunigungswerte bei Nacht wesentlich hoeher als am Tag. Die lokal groessten Querbeschleunigungen treten in der Regel in der zweiten Kurvenhaelfte auf, bei den Spurtypen "Ausholen" und "Normalverhalten" in Linkskurven auch in der ersten Kreisbogenhaelfte. 8. Die Auswertungen haben trotz beschraenkter Stichprobengroesse gezeigt, dass zwischen Unfallhaeufigkeit und Haeufigkeit von Spurtypen Zusammenhaenge bestehen. Am deutlichsten nimmt die Haeufigkeit der Selbst-/Schleuderunfaelle mit zunehmendem Anteil des Typs "Korrigieren" zu. Bei groesserem Anteil an "unerwuenschten" Spurtypen (Korrigieren, Schneiden, Ausholen und Hinaustragen) ist auch eine hoehere Zahl von Unfaellen zu erwarten. 9. Am Beispiel einer Kurve mit erhoehter Unfallhaeufigkeit konnte nachgewiesen werden, dass auch zwischen Unfallorten und Spurverhalten offensichtliche Abhaengigkeiten bestehen: Die Kollisionspunkte der Selbst-/Schleuderunfaelle befinden sich in der Fortsetzung jener Kurvenbereiche, in welchen sich das Auftreten von hoechsten Querbeschleunigungen einzelner Spurverlaeufe konzentriert. Diese Zusammenhaenge sind beim Spurtyp "Korrigieren" am ausgepraegtesten; sie sind auch beim Spurtyp "Schneiden" deutlich. (A)

  • Corporate Authors:

    BUNDESAMT FUER STRASSENBAU

    MONBIJOUSTRASSE 74
    BERN,   SUISSE  CH-3003
  • Authors:
    • SPACEK, P
  • Publication Date: 1997-10

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 102S+Anh.
  • Serial:
    • Issue Number: 410

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01198516
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 5:23PM