Erleben der praeklinischen Versorgung nach einem Verkehrsunfall

Im Umgang mit Unfallopfern waren Ersthelfer bisher allein auf ihre intuitive psychologische Kompetenz angewiesen. Gesicherte empirische Befunde zum Erleben der praeklinischen psychologischen Versorgung lagen nicht vor. Lediglich eine Arbeitsgruppe der Universitaet Dortmund hatte einige Anhaltspunkte fuer den Umgang mit Unfallopfern an der Unfallstelle zusammengestellt. Grundlagen dieser Arbeit waren Angaben von professionellen Helfern und retrospektive Daten von Unfallopfern. Es fehlte jedoch eine umfassende Befragung in den ersten Tagen nach dem Verkehrsunfall. Ziel der vorleigenden Studie war es daher, anhand von Interviews mit Verkehrsunfallopfern das persoenlich erlebte Unfallereignis und die sich anschliessende Rettungskette zu analysieren. Zwischen Februar 1997 und Juli 1998 wurden 91 erwachsene Verkehrsunfallopferin den ersten Tagen nach ihrem Unfall zu ihrem Erleben durch die Ersthelfer und durch den professionellen Rettungsdienst befragt. Die Patienten bescheinigten der praeklinischen Versorgung insgesamt ein sehr hohes Niveau. Allerdings wurden die psychologischen Faehigkeiten der Helfer signifikant schlechter eingeschaetzt als ihre medizinischen Faehigkeiten. Dies impliziert eine staerkere Betonung psychologischer Themen in der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter im Rettungsdienst. Die Auswertung der ausfuehrlichen Interviews machte deutlich, dass die Erwartungen der Patienten an den Helfer variierten, je nach dem, ob es sich um Laienhelfer oder Rettungspersonal handelte. Die Patienten erwarteten von Laienhelfern konkrete Hilfsangebote (zum Beispiel Rettungsdienst verstaendigen, Erfuellung koerperlicher Beduerfnisse, Benachrichtigung von Angehoerigen und Arbeitgeber) und weniger eine medizinische Betreuung. Gespraeche und Koerperkontakt wurden als sehr wohltuend erlebt, die Patienten fuehlten sich dadurch ruhiger und nicht alleine gelassen. Die Erwartungen an die Mitarbeiter im Rettungsdienst orientierten sich staerker an einer kompetenten medizinischen Versorgung. Als entscheidender Aspekt fuer das psychische Wohlbefinden wurde die staendige Naehe eines Helfers genannt. Hektik und Unruhe an der Unfallstelle wurden als sehr unangenehm eingestuft. Defizite in der psychologischen Betreuung gab es in Einzelfaellen, vor allem wenn an einer Unfallstelle mehrere Verletzte versorgt werden mussten und Patienten nach der Erstversorgung alleine gelassen wurden. Darueber hinaus wurden die Patienten nach ihrer ersten Reaktion waehrend des Wartens auf Hilfe befragt. Am haeufigsten berichteten die Patienten ueber Angst, die sich hauptsaechlich auf die Befuerchtung bezog, schwer verletzt zu sein. Anhand der Befunde wurden Anhaltspunkte fuer den Umgang mit erwachsenen Verkehrsunfallopfern in der Ersten Hilfe und im Rettungsdienst formuliert sowie Anregungen fuer die Verbesserung der Aus- und Weiterbildung von Helfern gegeben. (A) Schlussbericht zum Forschungsprojekt 82.048/1993 (2.9328) (IDS-Nummer D704946) der Bundesanstalt fuer Strassenwesen. Titel in Englisch: How pre-clinical medical care following road accidents is experienced.

  • Availability:
  • Corporate Authors:

    UNIVERSITAETSKLINIK FREIBURG, ABTEILUNG PSYCHIATRIE UND PSYCHOTHERAPIE

    HAUPTSTR. 5
    FREIBURG,   DEUTSCHLAND BR  D-79104
  • Authors:
    • FROMMBERGER, U
    • NYBERG, E
    • MAYER, M
  • Publication Date: 2000-5

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 31S
  • Serial:
    • BER BAST M
    • Issue Number: 115
    • Publisher: WIRTSCHAFTSVERLAG NW
    • ISSN: 0943-9315

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01198444
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 5:21PM