Verkehrserziehung bei Kindern mit geistiger Behinderung. Eine Untersuchung in vorschulischen Einrichtungen

Geistig behinderte Menschen gehoeren zur Gruppe der Mobilitaetsbehinderten, die als Teilnehmer im Strassenverkehr bisher kaum eine Rolle spielen. Bei einer entsprechenden vorbereitenden Verkehrserziehung waeren sie jedoch in vielen Faellen in der Lage, selbststaendig am Strassenverkehr teilzunehmen. Diese Verkehrserziehung sollte moeglichst frueh einsetzen und Teil der Gesamterziehung sein. An einer repraesentativen Stichprobe vorschulischer Erzieher wurden Daten erhoben, die eine Analyse der Situation der Verkehrserziehung gestatten. Die Befragung erfolgte 1997, von den 128 an Paedagogen versandten Fragebogen wurden 35 Prozent zurueckgeschickt. Dabei zeigten sich unter anderem folgende Ergebnisse: 50 Prozent der Befragten gaben an, mit ihrer Gruppe im letzten Kindergartenjahr Verkehrserziehung durchgefuehrt zu haben. Diese findet jedoch schwerpunktmaessig nur ein- bis zweimal (15,9 Prozent) beziehungsweise drei- bis viermal (45 Prozent) statt. 52,3 Prozent der Befragten fuehren Verkehrserziehung in lernzielorientierter Form durch, dabei ueberwiegt die Tendenz, Beobachtungen im realen Strassenverkehr (29 Prozent) zu machen, aber auch Verkehrsuebungen im Schonraum (10 Prozent) und Verkehrsspiele (9 Prozent) durchzufuehren. In den vorschulischen Einrichtungen eignen sich die Aussenanlagen nur in 6,8 Prozent zum praktischen Ueben. Uebungen im Realverkehr finden bei 47,7 Prozent statt, bei Verneinung des Uebens im Realverkehr (2,5 Prozent) wird mit zu grosser Gefahr (9,1 Prozent) und zu wenig Personal (6,8 Prozent) argumentiert. Die Mehrzahl der Befragten (54,4 Prozent) kennt das Angebot der oertlichen Polizei, jedoch wird dieses Angebot ueberwiegend nicht genutzt (77,4 Prozent). Materialien zur Verkehrserziehung stehen den Einrichtungen groesstenteils zur Verfuegung (zum Beispiel Bilderbuecher, Kassetten mit Verkehrsgeraeuschen, Malbuecher, Verkehrsteppiche). Die Problematik der Verkehrserziehung wird dadurch verstaerkt, dass es bei den Paedagogen wenig spezifisches Fachwissen gibt aufgrund mangelnder Aus- und Weiterbildungsangebote. In der Elternarbeit der Befragten ist Verkehrserziehung ueberwiegend kein Thema. Insgesamt wird in der vorliegenden Untersuchung eine Diskrepanz deutlich zwischen dem hohen Stellenwert der Verkehrserziehung in den Einstellungen der Mitarbeiter einerseits und der tatsaechlich praktizierten Verkehrserziehung andererseits.

  • Authors:
    • STOEPPLER, R
  • Publication Date: 1999

Language

  • German

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Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01198068
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 5:14PM