Eine gesamtwirtschaftliche Analyse des Stadtverkehrs - Untersuchung am Beispiel Muenchen

Das Thema Stadtverkehr und Umwelt hat in den vergangenen Jahrzehnten an Brisanz zugenommen, denn Staedte sind besonders stark von dem zunehmenden Verkehrsaufkommen betroffen. Hauptursache fuer die Zunahme des Gesamtverkehrsaufkommens sind der Suburbanisationsprozess und die raeumliche Trennung von Wohnen, Arbeiten und Erholen, da die steigenden Entfernungen immer weniger zu Fuss zurueckgelegt werden koennen. Um die Belastungen des Strassenverkehrs fuer die Bevoelkerung nicht weiter ansteigen zu lassen, muss versucht werden, ein fuer die Gesellschaft optimales Verkehrssystem zu schaffen. Dazu bedarf es einer objektiven Entscheidungsgrundlage fuer zukuenftige Investitionen. Am Beispiel der Stadt Muenchen sind deshalb interne und externe Kosten aus Sicht der Verkehrsteilnehmer fuer das Jahr 1993 berechnet worden, das heisst Zeitkosten, Staukosten und gesellschaftliche Kosten (Pkw- und OEPNV-Betriebskosten, Zeitkosten, Strassenbau- und -unterhaltungskosten, Kosten infolge Luftverschmutzung, Strassenlaerm, Trennwirkungen und Verkehrsstau). Die Gegenueberstellung der Kosten des MIV und OEPNV zeigt, dass aus gesellschaftlicher Sicht der OEPNV wesentlich guenstiger ist als der Pkw-Verkehr, selbst wenn der hoehere OEPNV-Zeitbedarf mit einbezogen wird, so dass es aus gesellschaftlicher Sicht langfristig von Vorteil ist, in oeffentliche Verkehrsmittel zu investieren. Prognostisch wurden fuer das Jahr 2005 beruecksichtigt: ein Trendszenario, bei dem kein OEPNV-Ausbau und keine Verkehrsminderungsmassnahmen durchgefuehrt werden, ein Minderungsszenario I, bei dem OEPNV-Ausbau und Verkehrsminderungsmassnahmen durchgefuehrt werden, und ein Minderungsszenario II, das weitgehend den OEPNV-Ausbau und weitere Verkehrsminderungsmassnahmen beinhaltet, die teilweise nicht auf Stadtebene beschlossen werden koennen. Das Ergebnis dieser Berechnungen zeigt, dass das Trendszenario aus gesellschaftlicher Sicht nicht optimal ist. In den Minderungsszenarien fallen die zusaetzlichen Kosten fuer den OEPNV-Ausbau und die uebrigen Massnahmen des Verkehrsminderungskonzepts geringer aus als der Rueckgang der Kosten des MIV aufgrund der Reduktion des Verkehrsaufkommens. Die Kostenanalyse der drei aufgestellten Szenarien, die auf dem Verkehrsminderungskonzept fuer die Stadt basiert, hat gezeigt, dass die Gesellschaft ihren Nutzen durch umweltfreundliche Verkehrsmittel kombiniert mit Massnahmen zur Verkehrsreduktion vermindern kann. Die in den Minderungsszenarien erzielte Steigerung des gesellschaftlichen Nutzens beruht in erster Linie auf dem Ausbau der oeffentlichen Verkehrsmittel. Die Realisierung des Minderungsszenarios II ist aus gesellschaftlicher Sicht das guenstigste, womit auch mehr soziale Gerechtigkeit erreicht werden kann.

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 28-33
  • Serial:
    • DER NAHVERKEHR
    • Volume: 17
    • Issue Number: 1/2
    • Publisher: ALBA PUBLIKATION, ALFRED VELOEKEN

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01197532
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 5:04PM