Autowerbung und Zukunftsethik. Eine Untersuchung des verkehrspolitischen, wirtschaftlichen, psychologischen und umweltrelevanten Stellenwerts des Autos und seiner Positionierung durch Werbeaussagen der Autoindustrie

Die theoretisch-philosophische Fundierung der vorliegenden Diplomarbeit ist die von dem Philosophen Hans Jonas eingeforderte Form einer neuen ethischen Verantwortung, die sich aus der Verletzlichkeit der Natur durch die technische Intervention des Menschen und den daraus entstandenen oder auch nur moeglicherweise entstehenden globalen Schaden ableitet. Die Utopie der Allmacht des Menschen ueber die Natur mithilfe der Technik ist ein uralter Traum der Menschheit, der mit der Erfindung des Automobils in Erfuellung gegangen zu sein schien. Der massenhafte Gebrauch des Autos hat es jedoch global zu einem der groessten Umweltzerstoerer gemacht. Dennoch gilt das Auto nach wie vor als Symbol fuer Fortschritt und Technik. In Kapitel 2 wird die Bedeutung von Mobilitaet und Verkehr fuer den Menschen erlaeutert und die Entwicklung des Verkehrswesens von der Erfindung des Rades hin zur Automobilgesellschaft dargestellt. Dabei wird vor allem die Rolle von Politik und Verkehrspolitik beleuchtet, die seit den 1930er Jahren auf die Foerderung des Autoverkehrs ausgerichtet sind. Kapitel 3 behandelt den wirtschaftlichen, psychologischen und emotionalen Stellenwert, den das Auto in der heutigen Gesellschaft hat und geht auch auf Fragen der Verkehrssozialisation ein. Der Fuehrerscheinerwerb ist zum Initiationsritus geworden, mit dem junge Menschen in die Erwachsenenwelt eintreten. Die mannigfachen Folgen des Autoverkehrs fuer Mensch und Umwelt werden in Kapitel 4 behandelt. Im Unterkapitel 4.2 werden die Umweltkonferenzen, Weltklimakonferenzen und Weltklimagipfel seit 1972 und deren Ergebnisse dargestellt. Ebenso werden Voraussetzungen und Konzepte fuer umweltvertraeglichen Verkehr und Entwicklungen der Autoindustrie im Hinblick auf die negativen Umweltauswirkungen des Autos vorgestellt. Vor dem Hintergrund der Ausfuehrungen und Grundlegungen in den Kapiteln 1 bis 4 interessierte, mit welchen Konzeptionen die Autoindustrie im Hinblick auf die Herausforderungen einer Zukunftsethik auf dem Markt agiert und inwieweit sich die Utopie der Allmacht des Menschen ueber die Natur mithilfe der Technik in den Botschaften von Autowerbungen widerspiegelt. Des Weiteren interessierte, ob Weltklimakonferenzen und Umweltgipfel und die dort gefassten Beschluesse zu Aenderungen in den Werbelinien und Botschaften von Autowerbungen gefuehrt haben. Zur Untersuchung dieser Fragestellungen werden in Kapitel 5 Autowerbungen der Hersteller FIAT, FORD und VOLVO, die in den Jahrgaengen 1978, 1989 und 2001 von "auto touring", der Mitgliederzeitschrift des Oesterreichischen Automobil-, Motorrad und Touringclubs OEAMTC erschienen sind, mithilfe des hermeneutischen Verfahrens der Kontextanalyse interpretiert. Die Ergebnisse der Analysen zeigen, dass das Auto in allen Autowerbungen als Symbol fuer Fortschritt und Technik und in den meisten als Mittel zur Selbstverstaerkung und Selbstvergroesserung beworben wird. Damit kann der Schluss gezogen werden, dass sich die Utopie der Allmacht des Menschen ueber die Natur mithilfe der Technik in den untersuchten Autowerbungen widerspiegelt. Fuer die Autowerbungen von FIAT und VOLVO kann gesagt werden, dass die Umweltkonferenzen und Weltklimagipfel keinerlei Aenderungen in den Werbelinien zwischen 1978 und 2001 bewirkt haben. Lediglich bei den Autowerbungen von FORD ist 1989 in einer einzigen Werbung ein Bruch der seit 1978 unveraenderten Werbebotschaften feststellbar, indem der geringere Schadstoffausstoss der zwei beworbenen Modelle thematisiert wird. (KfV/A)

  • Corporate Authors:

    UNIVERSITAET WIEN, FAKULTAET FUER HUMAN- UND SOZIALWISSENSCHAFTEN

    DR. KARL LUEGER-RING 1
    WIEN,   OESTERREICH  A-1010
  • Authors:
    • HAID, K
  • Publication Date: 2002-9

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 192S

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01197051
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 4:38PM