Implizite Verkehrserziehung von Kindern durch Eltern und Begleitpersonen

Sozialisationstheorien thematisieren den Vorgang, durch den Kinder von ihren Eltern Verhaltensweisen, Einstellungen und Werte lernen. Sozialisation verlaeuft zum groessten Teil unbewusst. Dies gilt auch fuer die Verkehrserziehung. Eltern sind Vorbilder und ihre Werte, Einstellungen sowie ihr Mobilitaets- und Interaktionsverhalten praegen die Kinder. Kinder beobachten ihre Bezugspersonen und ahmen deren Verhaltensweisen nach. Im kindlichen Verhalten spiegeln sich also Einstellungen, Werte und Verhaltensweisen der Bezugspersonen. Ziel der vorliegenden Diplomarbeit ist es, mit Hilfe von Verhaltensbeobachtungen und Interviews das Mobilitaets- und Interaktionsverhalten der Eltern im Umgang mit Kindern im Verkehrsgeschehen zu untersuchen. Des Weiteren sollte geklaert werden, inwiefern Eltern ihr Mobilitaetsverhalten im Umgang mit ihren Kindern reflektieren. Nach einem Ueberblick ueber das Verkehrs- und Kinder-Unfallgeschehen in Oesterreich werden Sozialisationstheorien, die unter anderem die Mechanismen der Vorbildwirkung beschreiben, die Entwicklungsstufen des Kindes und verkehrspaedagogische Erkenntnisse aus der Literatur dargestellt. Vor drei ausgewaehlten Wiener Volksschulen wurden 155 Verhaltensbeobachtungen durchgefuehrt. In deren Mittelpunkt stand der Modus der Verkehrsteilnahme, das Verhalten der Kinder und der Begleitpersonen bei der Annaeherung an das Schulvorfeld, das Ueberquerungsverhalten und die Interaktion mit Interaktionspartnern im Zusammenhang mit der Querung. Die Beobachtungen wurden protokolliert und mit einer Videokamera aufgezeichnet. Die Ergebnisse der Verhaltensbeobachtungen werden nach folgenden 4 Verhaltenstypen eingeteilt und dargestellt: 1. Unauffaelliges, verkehrssicheres Verhalten mit Auto und zu Fuss; 2. Leichtes Fehlverhalten; 3. Schweres Fehlverhalten und 4. Falsches Verkehrsverhalten. Von den 155 Beobachtungen entfielen 67 auf Typ 1, 69 auf Typ 2, 12 auf Typ 3 und 7 auf Typ 4. Anschliessend wurden 16 narrative Interviews mit Eltern durchgefuehrt, die die Art und Begruendung der Begleitung des Kindes, die Bedeutung der Verkehrserziehung im Rahmen der Erziehung, auffaelliges und stoerendes Verhalten bei der Begleitung durch andere Eltern sowie bauliche Verbesserungsmoeglichkeiten im jeweiligen Schulumfeld zum Inhalt hatten. Aus den Ergebnissen werden abschliessend bewusstseinsbildende und bauliche Massnahmenvorschlaege abgeleitet. Besondere Bedeutung kommt dem gemeinsamen Gehen von Begleitpersonen und Kindern im Strassenverkehr zu. Kinder sollen durch ausreichende Uebung ein sicheres Gefuehl im Strassenverkehr erlangen und durch das Vorbild der Eltern und der Begleitpersonen sicheres Verhalten lernen. Der Anhang enthaelt die Protokolle der beobachteten Szenen, die Interviewprotokolle und die Beurteilungsliste zur Typenbildung. (KfV/A)

  • Corporate Authors:

    UNIVERSITAET WIEN, FAKULTAET FUER HUMAN- UND SOZIALWISSENSCHAFTEN

    DR. KARL LUEGER-RING 1
    WIEN,   OESTERREICH  A-1010
  • Authors:
    • KOERMER, C
  • Publication Date: 2002-6

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 202S

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01197034
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 4:38PM