Die Folgen der Privatisierung im Eisenbahnverkehr fuer den Kunden

Europaweit zeichnet sich die Eisenbahn als mehr oder weniger starker Defizitbereich aus, der nur mit Hilfe von Subventionen am Leben gehalten werden kann. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Eisenbahn auch privatwirtschaftlich gefuehrt werden kann. Eine einheitliche Definition fuer den Begriff "Privatisierung" gibt es nicht, meist wird darunter die vollstaendige oder teilweise Uebertragung von oeffentlichem Eigentum in private Haende verstanden. Unterschieden werden implizite Privatisierung in Form von Deregulierung und Marktoeffnung und explizite Privatisierung, die formell, funktionell oder materiell erfolgen kann. Die mit einer Privatisierung verfolgten Zielsetzungen sind stark abhaengig vom jeweiligen Objekt und der aktuellen Situation. Im Allgemeinen wird eine Erhoehung der Effizienz angestrebt, wobei jedoch in manchen Faellen auch ordnungs-, wettbewerbs- und finanzpolitisch motivierte Ziele angestrebt werden. Einen Schritt zu einem privatwirtschaftlich gefuehrten Unternehmen stellt die Trennung von Fahrweg und Betrieb dar. Ein Ziel der Trennung der Verantwortung fuer Infrastruktur und Betriebsleistung ist es, Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Verkehrstraegern zu verringern. Ein zweites Ziel der Trennung ist es, Konkurrenz zwischen verschiedenen Unternehmen zu ermoeglichen und damit marktwirtschaftliche Anreize fuer betriebswirtschaftliche Effizienz zu geben. Eine grundlegende Problemstellung im Prozess der Trennung von Fahrweg und Betrieb ist die Definition der Schnittstellen, da einerseits durch die historisch gewachsene Struktur des Eisenbahnsystems eine Trennungslinie nicht eindeutig festzulegen ist, andererseits manche Einrichtungen im Eisenbahnwesen wie Terminals oder Fahrplan institutionell dem Netz, funktionell jedoch dem Betrieb zuzurechnen sind. Das Schienennetz selbst ist dabei gekennzeichnet durch hohe "sunk costs" und durch hohe Subadditivitaet, was bedeutet, dass ein Anbieter den Markt billiger bedienen kann als mehrere. Im Zuge der Privatisierungsdebatte stellt sich bei Vorliegen eines unbestreitbaren natuerlichen Monopols die Frage, ob in diesem Fall ein oeffentliches oder ein reguliertes privates Unternehmen gesamtwirtschaftlich effizienter ist. Grundsaetzlich spricht nichts gegen eine voellige Deregulierung und Privatisierung im Schienenpersonenverkehr, allerdings koennte, vor allem auf hochfrequentierten Strecken im Nahverkehr, die Deregulierung zu schlecht koordinierten Angeboten und damit zu Einbussen in der Konsumentenrente fuehren. Als Folge der Deregulierung ist jedoch andererseits eine deutliche Intensivierung des Wettbewerbs beim Personen- und Gueterverkehr in Form hoeherer Qualitaet, Preissenkungen und Preisstrukturaenderungen sowie einer groesseren Verkehrsdichte auf vielen Relationen zu beobachten. Als moegliche private Anbieter koennten im Gueterverkehr Verlader, Frachtfuehrer und Speditionen, im Personenverkehr Busgesellschaften, Touristik- und andere diversifizierte Unternehmen, aber besonders auch auslaendische Staatsbahnen eingesetzt werden. (A) Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD-Nummer D346710.

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 151-63
  • Monograph Title: Forum Verkehrssystemplanung 2002. Ausgewaehlte Seminararbeiten
  • Serial:
    • IVS-SCHRIFTEN
    • Issue Number: 15
    • Publisher: OESTERREICHISCHER KUNST- UND KULTURVERLAG

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01196564
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 3-85437-238-8
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 4:28PM