Linksparken in staedtischen Strassen

In Deutschland ist es nach Paragraf 12 Absatz 4, Satz 1 Strassenverkehrsordnung (StVO) vorgeschrieben, beim Parken den rechten Fahrbahnrand zu benutzen. Ziel der vorliegenden Studie war es, Erkenntnisse darueber zu erlangen, welche Auswirkungen das (illegale) Linksparken derzeit auf die Verkehrssicherheit und den Verkehrsablauf hat und welche Auswirkungen mit einer (Teil-)Legalisierung zu erwarten waeren. Hierzu erfolgte auf der Basis einer Literaturanalyse eine Systematisierung von Ein- und Ausparkvorgaengen (Links- und Rechtsparken). Zur Abschaetzung der Auswirkungen wurden Befragungen von 118 Ordnungsaemtern und Polizeidienststellen durchgefuehrt sowie Videoaufzeichnungen von Ein- und Ausparkvorgaengen analysiert. Die Ergebnisse der Befragungen zeigten, dass Linksparken derzeit beim Unfallgeschehen keine wesentliche Rolle spielt. Mit erhoehtem Linksparkeraufkommen wurde jedoch tendenziell auch ein hoeheres Unfallrisiko berichtet und mit zunehmender Haeufigkeit des Linksparkens wurde dieses auch eher als problematisch angesehen. Bei den durchgefuehrten Videoaufzeichnungen wurden nur wenige Konflikte und keine Unfaelle mit Ein- oder Ausparkenden erfasst, unabhaengig davon, ob die Parkmanoever auf der rechten oder auf der linken Seite stattfanden. Die Konfliktquote ist bei beiden Arten von Parkvorgaengen aehnlich niedrig, aufgrund der geringen Fallzahlen lassen sich auch hier keine signifikanten Unterschiede zwischen dem Links- und dem Rechtsparken ableiten. Fuer den Fahrer eines Fahrzeugs bietet Linksparken insofern einen Zugewinn an Sicherheit, als dieser beim Ein- und Aussteigen die Gehwegseite benutzt. Fuer den Beifahrer tritt gegebenenfalls jedoch der gegenteilige Effekt ein. Ausserdem kann beim Ausparken von der linken Strassenseite die Sicht auf den Gegenverkehr durch andere parkende Fahrzeuge eingeschraenkt sein. Daher kommt eine Legalisierung des Linksparkens in Strassen mit einer zulaessigen Hoechstgeschwindigkeit von 50 km/h aus Sicherheitsgruenden nicht in Betracht. In Strassen mit einer zulaessigen Hoechstgeschwindigkeit von 30 km/h blieben bei den dokumentierten Ein- und Ausparkvorgaengen die Interaktionen zwischen Linksparkern und dem fliessenden Verkehr dagegen unter Kontrolle. Im Zuge der Diskussion um Deregulierung im Strassenverkehr liegt daher der Gedanke nahe, Linksparken in Tempo 30-Zonen zu legalisieren (Teillegalisierung). Zudem ist das Rechtsparkgebot bereits heute aufgrund eines Gerichtsurteils aufgeweicht, wonach Linksparken in verkehrsberuhigten Bereichen zulaessig ist. Bei einer teilweisen Legalisierung des Linksparkens waere es jedoch moeglich, dass dies dann auch in konflikttraechtigeren Situationen praktiziert wird und dass ein Uebertragungseffekt auf Bereiche, in denen Linksparken auch weiterhin verboten waere, eintritt. Offen bleibt damit, inwiefern ein legalisiertes Linksparken fuer die Verkehrssicherheit gleichermassen unbedeutend bliebe, wie das Rechtsparken und das illegale Linksparken heute. Auch wuerde durch eine Lockerung des Rechtsparkgebotes in Deutschland die angestrebte Harmonisierung der Gesetzgebungen in den europaeischen Laendern konterkariert, da in den meisten europaeischen Laendern das Linksparken verboten ist. Ausserdem koennte auch die teilweise Legalisierung des Linksparkens aus verkehrsrechtlichen Gruenden die Notwendigkeit einer zusaetzlichen Beschilderung nach sich ziehen, was den Bemuehungen zur Reduzierung der "Schilderflut" zuwider laufen wuerde. Insgesamt sprechen damit die Aspekte der Rechtssystematik deutlich gegen die Legalisierung des Linksparkens. Dem stehen jedoch nur geringe Vorteile bezueglich des Verkehrsablaufes gegenueber. Bericht zum Forschungsprojekt 77.432/1999 des Bundesministeriums fuer Verkehr, Bau- und Wohnungswesen. Titel in Englisch: Parking on the left in town roads. The ENGLISH ABSTRACT is available at http://www.bast.de/htdocs/veroeffentlichung/kurzfass/v97.htm.

Language

  • German

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Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01196421
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 4:26PM