Es "knirscht" auf der freien Schiene

Drei EU-Richtlinien regeln die Liberalisierung der Eisenbahn. Innerhalb der EU soll auf den Schienenwegen der freie und faire Wettbewerb herrschen. Weitere EU-Ziele lauten, dass es keine staatlichen Eingriffe auf Eisenbahnunternehmen geben und das Schienennetz allen Zugangsberechtigten offenstehen soll. Die Bahnen sollen ausserdem unabhaengig und kostendeckend gefuehrt werden. Absicht der EU ist es zudem, die Bahnen gezielt als transeuropaeische Netze auszubauen und sie leistungsfaehiger zu machen. Damit sollen sie ihren schrumpfenden Marktanteil wieder erhoehen. In der Theorie bekennen sich alle EU-Mitglieder zu einer Harmonisierung und Liberalisierung der Bahnen. Bei der Umsetzung zeigen sich allerdings erhebliche Widerstaende. In Oesterreich regelt das Schienenverkehrsmarktregulierungsgesetz seit Anfang 2000 den freien Wettbewerb auf dem Schienennetz. Seit Februar 2000 gibt es die Schienen-Control GmbH als "Schienenregulator". Sie ist die Waechterin ueber die Einhaltung der von der EU vorgegebenen Grundsaetze der Schienenliberalisierung. Derzeit sind in Oesterreich vier Eisenbahnkonzessionaere aktiv, darunter das Unternehmen Lokomotion aus Muenchen, das seit Mitte Januar 2002 auf drei von den Oesterreichischen Bundesbahnen (OEBB) gewaehrten Trassen mit satellitenueberwachten Zuegen Gueter ueber die Brennerstrecke transportiert. Es erreicht bezueglich Puenktlichkeit, Verlaesslichkeit und Termintreue Qualitaeten, die die OEBB in ihrem Gueterverkehr bisher nicht zustande brachte. Auf einer Fachkonferenz des Institute for International Research (IIR) deckten Fachleute der Gueterwirtschaft auf, dass es zwischen den OEBB und den neuen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) erhebliche Probleme gibt. Die EVU werfen den OEBB Behinderungen vor. Seitens der OEBB wird betont, dass sie den EVU Leistungen verkaufen, ohne die die EVU den Betrieb gar nicht durchfuehren koennten. So bezieht das private Bahnunternehmen auf der Brennerstrecke von den OEBB Traktionsleistungen, weil es zuwenig eigene Lokomotiven besitzt. Die Schienen-Controll GmbH bestaetigt, dass es fuer die neu auf den Markt kommenden Unternehmen schwierig ist und dass die OEBB ihre Vorteile und Staerken im Wettbewerb ausspielt. Bei Oekombi, einer grossen Betreiberin der rollenden Landstrasse, an der die OEBB mit 30 Prozent beteiligt sind, beklagt man sich ueber ungleiche Zulassungsbedingungen auf dem OEBB-Schienennetz. Die OEBB arbeiten an einem Gesamtangebot von Logistikleistungen und planen eine Laufueberwachung von Waggons weit ueber die oesterreichische Staatsgrenze hinaus. Dazu sind allerdings neue Bahn-Kommunikationssysteme in Kooperation europaeischer Bahnen einzurichten. Und dabei gibt es erhebliche Probleme. Inzwischen sprechen Kritiker der EU-Schienenliberalisierung davon, dass diese bisher nur dem Aufbau einer neuen Bahnueberwachungsbuerokratie genutzt habe. Es stellt sich die Frage, ob nicht allzu buerokratisch an die Schienenliberalisierung herangegangen worden ist und ob es nicht deshalb zu weiteren Marktanteilsverlusten der Bahn im Gueterverkehr kommen wird. Im Jahr 2003 werden in Oesterreich erstmals kostendeckende Tarife fuer das oesterreichische Schienennetz per Verordnung festgelegt werden. Dieses Infrastuktur-Benutzungs-Entgelt muessen Konzessionaere an die OEBB als Betreiber der Schieneninfrastruktur bezahlen. Der "Schienenregulator" will seine Kompetenz dazu nutzen, dieses Entgelt nach oekologischen Prioritaeten festzulegen. (KfV/A)

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 24-7
  • Serial:
    • VERKEHR & UMWELT
    • Volume: 16
    • Issue Number: 2
    • Publisher: N. J. SCHMID VERLAG GES.M.B.H.
    • ISSN: 1019-7346

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01196227
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 4:22PM