Biotreibstoff: Wo sitzt der Wurm drin?

Mit zwei Richtlinienentwuerfen ergriff die EU-Kommission im Herbst 2001 eine ehrgeizige Biotreibstoffinitiative. Derzeit liegt der Bioanteil am Treibstoffverbrauch in der EU bei einem Drittelprozent. Bis zum Jahr 2020 soll ein Fuenftel der herkoemmlichen Treibstoffe aus Rohoel durch alternative Energie ersetzt werden. Eine EU-Richtlinie schreibt ab 2005 zwei Prozent Pflichtanteil Biotreibstoff, ab 2010 zehn Prozent vor. Bis 2020 soll neben dem Biotreibstoff auch Erdgas und spaeter zusaetzlich noch Wasserstoff als Antriebsenergie verpflichtend zum Einsatz kommen. Eine weitere EU-Richtlinie sieht vor, dass die Mitgliedslaender die Verbrauchsteuer auf Biotreibstoffe halbieren duerfen, um einen gegenueber herkoemmlichen Treibstoffen attraktiveren Preis zu erreichen. Oesterreich nimmt mit etwas mehr als fuenf Prozent Bioanteil an der Gesamterzeugung von Treibstoffen innerhalb der EU den Spitzenplatz ein. 1989 ist die erste Rapsoel-Anlage in Betrieb gegangen. Seit Ende 2001 verarbeitet in Zistersdorf eine 40.000-Jahrestonnen-Anlage Altspeisefette. Die Produktionskapazitaet oesterreichischer Biodieselanlagen liegt bei rund 60.000 Jahrestonnen. Um Biotreibstoff trotz der hohen Erzeugungskosten - rund 58 Cent pro Liter gegenueber 18 bis 20 Cent fuer mineralischen Diesel - zu einem attraktiven Preis anbieten zu koennen, wurde die Mineraloelsteuer erlassen. Von den insgesamt 3.200 Tankstellen in Oesterreich bieten nur 67 Biodiesel an. Angeboten wird er nur von Discountern beziehungsweise landwirtschaftlichen Lagerhaeusern. Markentankstellen bieten keinen Biodiesel an, da die Mineraloelwirtschaft Biotreibstoffe mit Hinweis auf ihre unvertretbar hohen Kosten und ihren enormen Energieeinsatz bei zweifelhafter Umweltwirkung kategorisch ablehnt. Die beiden EU-Richtlinienentwuerfe werden derzeit im EU-Parlament diskutiert. Deshalb sind die Lobbyisten pro und kontra Biotreibstoffe auf der Suche nach Unterstuetzung durch die Parlamentarier. Die Mineraloellobby ist gegen Biosprit, eine Agrarlobby tritt fuer eine rasche Umsetzung der Richtlinien ein, weil sie sich davon neue Nutzungsmoeglichkeiten fuer brachliegende Ackerflaechen und Einkommenschancen fuer die Bauern erwartet. Die Kontroverse um die Biotreibstoffinitiative der EU-Kommission koennte bewirken, dass die Entscheidung auf die lange Bank geschoben wird. Um dies zu verhindern, suchen die Parlamentarier nach Kompromissen. So machte Hans Kronberger, oesterreichischer EU-Abgeordneter und Berichterstatter im Umweltausschuss, zur steuerlichen Beguenstigung, die ganz besonders umstritten ist, einen Kompromissvorschlag, der unter anderem vorsieht, dass der oeffentliche Verkehr politische Anreize zur Verwendung von Biotreibstoffen erhaelt, die in Deutschland und Oesterreich bestehende Befreiung von der Mineraloelsteuer aufgehoben wird und sich die finanzielle Foerderung von Biotreibstoffen nicht wie bisher vorgesehen nach dem Rohoelpreis, sondern nach den Erzeugungskosten von Biotreibstoffen richten soll. (KfV/A)

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 12-3
  • Serial:
    • VERKEHR & UMWELT
    • Volume: 16
    • Issue Number: 2
    • Publisher: N. J. SCHMID VERLAG GES.M.B.H.
    • ISSN: 1019-7346

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  • Accession Number: 01196223
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 4:22PM