Autofahren ohne Lenkrad

Bei Mercedes entwickeln Ingenieure seit zehn Jahren ein neues System der Fahrzeugsteuerung. Statt mit Lenkrad und Pedalen wird das Fahrzeug mit zwei Sidesticks gesteuert. Um die Entwicklung realitaetsnah testen zu koennen, wurde ein Mercedes-Benz SL Roadster entsprechend umgebaut. Zusaetzlich wird an einem Fahrsimulator demonstriert, wie Fahrer mit der neuen Fahrtechnik zurechtkommen. Das Sidestick-System macht das Beschleunigen, Bremsen und Lenken eines Fahrzeuges ohne mechanische Verbindungen moeglich. In diesem "Drive-by-wire" genannten System wird die uebliche mechanische und hydraulische Verbindung zwischen Lenkrad und Pedalen sowie zu Lenkung, Antrieb und Bremse von einer elektronischen Steuerung ersetzt. Die Sensoren, Stellmotoren und Schaltelemente werden von einem fehlertoleranten Rechnersystem gesteuert, das seine Daten einerseits vom Fahrer selbst und andererseits von einer Menge Sensoren erhaelt, die den aktuellen Zustand des Fahrzeugs erfassen, und dieses automatisch stabilisieren. Ohne Drive-by-wire weicht beispielsweise das Fahrzeug bei starkem Seitenwind vom Kurs ab und der Fahrer muss gegenlenken. Mit dem neuen System scheint der Wind ueberhaupt nicht zu stoeren, da Sensoren die Kursabweichung, die er Wind verursacht, erfassen. Der Rechner erkennt aus der Stellung des Sidesticks die Richtung, die der Fahrer nehmen will, und korrigiert den Einschlag der Raeder so, dass sie die Wirkung des Seitenwindes kompensieren. Bei einem Unfall gibt es in einem Auto ohne Lenkrad und Lenksaeule eine groessere Pufferzone, was Leben retten kann. Zum Beschleunigen reicht ein leichter Druck auf den Steuerknueppel. Ein integrierter Tempomat haelt automatisch die Geschwindigkeit. Zum Bremsen wird der Sidestick nach hinten gezogen und zum Lenken wird er nach links oder rechts gedreht. Tasten fuer die Funktionen eines Automatikgetriebes sind auf dem Armaturenbrett vor dem Fahrer angebracht. Die Tests am Fahrsimulator zeigen, dass das Fahren relativ einfach zu erlernen ist. Im Vergleich zur konventionellen Fahrtechnik schneidet der Sidestick zumindest gleich gut, teilweise sogar besser ab. Sidestick-Fahrer neigen dazu, Lenkung und Bremse gleichzeitig zu betaetigen. So koennen sie bei Brems- und/oder Ausweichmanoevern besser und schneller reagieren. Der Einsatz von Serienfahrzeugen mit der neuen Technologie ist derzeit nicht geplant. Nach geltendem Recht muss die Lenkung mechanisch funktionieren. Drive-by-wire-Fahrzeuge koennen daher im normalen Strassenverkehr nicht zugelassen werden. Aller Voraussicht nach werden Sidesticks zuerst in Spezialfahrzeugen auf Baustellen, fuer die Forstwirtschaft oder fuer die Strassenreinigung zum Einsatz kommen. (KfV/A)

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 19-20
  • Serial:
    • VERKEHR & UMWELT
    • Volume: 16
    • Issue Number: 1
    • Publisher: N. J. SCHMID VERLAG GES.M.B.H.
    • ISSN: 1019-7346

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01196219
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 4:22PM