Auf unseren Strassen wird's eng

Die Kritik am Auto ist derzeit eher leise. Der Katalog der Schweizer Automobilrevue berichtet in ihrem Statistikteil, dass im Jahr 2000 erstmals ueber 40 Millionen Autos gebaut wurden. Der Pkw-Bestand waechst staendig. 100.000 Pkw kommen allein in Oesterreich jaehrlich dazu. Daran aendert auch die Tatsache nichts, dass die Autoindustrie derzeit ihre Produktionskapazitaeten nicht auslasten kann. Gleichzeitig gibt es kaum mehr Platz fuer neue Strassen. Das Automobil, einst Symbol fuer Kraft und Freiheit, bewirkt immer mehr Staus. Um die Autobesitzer bei der Stange zu halten, versuchen Autoindustrie und Telekommunikationsbranche gemeinsam, neue Lebensqualitaet in den immer dichter werdenden Verkehr zu bringen. Autos sollen zu einem integrierten Bestandteil eines uebergeordneten Systems koordinierter Fortbewegung werden. Grossstaedte und ganze Regionen experimentierten bereits mit unterschiedlichsten Verkehrsleit- und Road-Pricing-Systemen. Damit die Fahrer den CD-Wechsler, das Handy, das Internet und das Fernsehen in ihrem Auto benutzen und geniessen koennen, wird eifrig an Systemen gearbeitet, die vom Fahren entlasten sollen. Dazu gehoeren Verkehrszeichen, die mit dem Tempomat im Auto kommunizieren, Abstandsradar zum Vordermann, Echtzeit-Stauumleitung ueber das Navigationssystem und automatische Mautabbuchung. Die Telematik-Projekte, die in verkehrsdichten Regionen wie in Japan, Singapur, Los Angeles und im Ruhrgebiet erprobt wurden, zeigten, dass isolierte Systeme teuer und letztlich sinnlos sind. Daher setzen jetzt manche auf das Mobiltelefon. Wenn es eine leistungsfaehige Datenuebertragung zwischen dem Auto und seiner Umwelt gibt, werden alle Informationen ueber das Mobilfunknetz bezogen werden koennen. Dann wird es vielleicht auch leichter, einen Fahrschein zu kaufen und in einen Zug umzusteigen, der einen Speisewagen hat. Das Einliterauto ist technisch machbar. Zu kaufen gibt es das Dreiliterauto. Die geringen Verkaeufe sind gerade gut genug fuer die Imagebildung. So koennen Autos nicht mehr nur mit seinen gefaehrlichsten Eigenschaften, naemlich Beschleunigung und Hoechstgeschwindigkeit, sondern auch ueber die Vernunft beworben werden. Ein Verbrauch von 3 Liter Diesel je 100 Kilometer entspricht einem Ausstoss von 90 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer. In den EU-Gremien wird darueber diskutiert, dass sich die Autohersteller freiwillig verpflichten sollten, dass die Masse der Autos ab dem Jahr 2010 nicht mehr als 120 Gramm je Kilometer ausstossen sollte. Die Autoindustrie schlaegt 140 Gramm bis zum Jahr 2008 und 120 Gramm je Kilometer bis zum Jahr 2012 vor. Die Nachfrage nach sparsamen Autos wird vorwiegend von den Treibstoffpreisen bestimmt und hier sind keine signifikanten Steigerungen in Sicht. Daher werden Steueranreize fuer sparsame Autos ueberlegt. Die angekuendigten Revolutionen beim Antriebssystem bleiben ebenfalls aus. Der Verbrennungsmotor wird bleiben. Um strengere Verbrauchs- und Abgaslimits einhalten zu koennen, wird er aber immer oefter mit einem Hybridsystem kombiniert werden. (KfV/A)

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 15-8
  • Serial:
    • VERKEHR & UMWELT
    • Volume: 16
    • Issue Number: 1
    • Publisher: N. J. SCHMID VERLAG GES.M.B.H.
    • ISSN: 1019-7346

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01196218
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 4:22PM