Kernfahrbahnen in der Schweiz - Beispiele, Forschungsergebnisse und rechtliche Rahmenbedingungen

Im Rahmen der Forschungsarbeit "Optimierte Fuehrung des Veloverkehrs an engen Strassenabschnitten (Kernfahrbahnen)" der Vereinigung Schweizerischer Verkehrsingenieure (SVI) wurden erstmals in der Schweiz die Kernfahrbahnen untersucht. Miteinbezogen in die Untersuchung wurden auch die Schmalfahrbahnen. Kernfahrbahnen sind solche Teile von Fahrbahnen, die durch Signalisation oder durch Materialwahl als Normalverkehrsflaeche ausgewiesen werden. Sie stehen vorrangig dem motorisierten Verkehr zur Verfuegung. Ihre Breite reicht nicht aus, um die Begegnungen aller Fahrzeug-Kategorien zu gewaehrleisten. Sie weisen keine Leitlinie auf. Beidseits der Kernfahrbahnen liegen flexibel nutzbare Bereiche oder Radfahrstreifen. Letztere werden als Radstreifen bezeichnet. Schmalfahrbahnen sind Fahrbahnen, die von ihrer Gesamtfahrbreite her den Kernfahrbahnen zuzurechnen sind, aber Leitlinien aufweisen. Die Untersuchung kam zu folgenden Ergebnissen: Die grundsaetzliche Machbarkeit ist im Rahmen bestehender gesetzlicher Regelungen gegeben. Die Unfallanalyse liess keine eindeutigen Schlussfolgerungen zu. Ohne Gegenverkehr und ohne Leitlinie entsteht eine Fahrbahnmittenorientierung. Mit Leitlinie und Radstreifen ist eine Orientierung zur Mitte des "eigenen" Fahrstreifens die Folge. Sowohl beim motorisierten Verkehr als auch beim Radverkehr besteht hohe Akzeptanz. Die Geschwindigkeiten verringern sich um drei bis vier Stundenkilometer. Kern- und Schmalfahrbahnen sind bei Kernfahrbahnbreiten zwischen 4,65 und 5,3 Metern und Gesamtfahrbahnbreiten von 7,45 bis 8,3 Metern sehr leistungsfaehig. Positive Wirkungen hinsichtlich des subjektiven Sicherheitsempfindens von Radfahrern sind gegeben. Die Radfahrer werden wesentlich weniger an den Rand gedraengt. Die Abstaende der Radfahrer vom Fahrbahnrand werden signifikant groesser, sobald Radstreifen markiert werden. Bei Gegenverkehr sinken die Seitenabstaende Auto-Fahrrad beim Vorbeifahren zum groessten Teil deutlich ab, liegen aber nie unter 1,14 Metern. Begegnungsfaelle Auto/Auto/Radfahrer treten sehr selten auf. Kernfahrbahnen zeigen bei Breiten von 5,45 Metern bis hinunter zu Breiten von 4,6 Metern und Gesamtfahrbahnbreiten von 7,95 Metern bis hinunter zu 7,5 Metern bei Verkehrsbelastungen bis 10.000 Fahrzeugen taeglich und Schwerverkehrsanteilen bis zu 6 Prozent gute Ergebnisse hinsichtlich Verkehrsablauf und Verkehrssicherheit. Schmalfahrbahnen mit 2,8 Meter Breite neben Radstreifen sind auch bei haeufiger Buslinienfrequentierung und sehr hohen Verkehrsbelastungen machbar. Radstreifenbreiten um und unter 1,1 Meter sind unakzeptabel. Weiterer Forschungsbedarf besteht hinsichtlich Kernfahrbahnen auf Ausserortsstrecken. Offen ist die Frage, ob Kernfahrbahnen bei unuebersichtlich gefuehrten Strecken machbar sind. Zu untersuchen waeren auch die zweistreifigen Hauptstrassen, die zugunsten von Radstreifen als Schmalfahrbahnen markiert wurden. Abschliessend wird ein Rechtsgutachten zu den in der besprochenen SVI-Untersuchung vorgeschlagenen Gesetzesaenderungen zitiert. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD-Nummer D346669. (KfV/A)

  • Authors:
    • ZWEIBRUECKEN, K
  • Publication Date: 2002

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01196207
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 4:22PM