Staerken und Schwaechen der Kernfahrbahnen aus der Sicht der Velofahrenden

Kernfahrbahnen sind zwischen markierten Fahrradstreifen verlaufende, weniger als sechs Meter breite Fahrbahnen ohne Mittellinie fuer den Gegenverkehr von Motorfahrzeugen. In Tabellen werden Merkmale und Kenngroessen von realisierten Kernfahrbahnen auf Kantons- und Gemeindestrassen im Kanton Bern vorgestellt. Fuer die 6 auf Kantonsstrassen realisierten Objekte fuehrt das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons Bern Erfolgskontrollen mit Videoaufnahmen, Geschwindigkeitsmessungen, einer Unfallauswertung und einer Befragung durch. Die bisher realisierten Untersuchungen deuten darauf hin, dass die angestrebte Geschwindigkeitsreduktion von drei bis vier Stundenkilometern nicht erreicht wird. Im Mittel der beobachteten Faelle ging die durchschnittlich gefahrene Geschwindigkeit lediglich um 0,5 Stundenkilometer zurueck. Die Reaktionen der Bevoelkerung sind positiv. Die Stellung der Radfahrenden wird bei Stau und Kolonnenverkehr gestaerkt. Die unterbrochene gelbe Streifenlinie gibt den Radfahrern Halt beim Geradeausfahren. Mit Kernfahrbahnen kann fuer Radfahrer und Fussgaenger etwas getan werden, wenn der Platz fuer vollwertige Loesungen nicht ausreicht. Die Kosten koennen niedrig gehalten werden, was aber die Gefahr mit sich bringt, dass Kernfahrbahnen auch dort eingesetzt werden, wo es nicht angebracht ist. Die fehlende Mittellinie wirkt sich beim Linksabbiegen belastend aus. Es fehlt in der Strassenmitte ein Halt, wenn der Gegenverkehr Linksabbiegende daran hindert, die Fahrbahn zu verlassen. Weitere Nachteile sind unter anderen ungenuegende Sicht auf Einmuendungen und Hauszufahrten sowie fehlende Seitenfreiheit. Kernfahrbahnen sollten nur nach sorgfaeltiger Abwaegung der Pro und Kontra eingesetzt werden. Fuer die Errichtung von Kernfahrbahnen sollten die Strassen folgende Voraussetzungen erfuellen: 7,5 bis 8 Meter Breite; Abschnitte mit logischem Anfangs- und Endpunkt bis 1.000 Meter Laenge; lockere Randbebauung; wenig Linksabbiegebeziehungen; maximal 2.000 bis 6.000 Fahrzeuge pro Tag und geringer Lkw-Anteil; Hoechstgeschwindigkeit 60 Stundenkilometer und hoher Anteil des Radverkehrs zur Hauptverkehrszeit. Bezueglich Verkehrsplanung, Normung, Sicherheit und Oeffentlichkeitsarbeit bestehen noch offene Fragen. So ist beispielsweise festzulegen, wann Kernfahrbahnen keinesfalls angewendet werden duerfen. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD-Nummer D346669. (KfV/A)

  • Authors:
    • Balsiger, O
  • Publication Date: 2002

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01196202
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 4:21PM