Zur Frage der Einfuehrung der Atemalkoholanalyse bei Verkehrsstraftaten nach Paragraf 315c Absatz 1 Nummer 1a und Paragraf 316 StGB. Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft fuer Rechtsmedizin

Der Einfuehrung der Atemalkoholanalyse bei Verkehrsstraftaten nach Paragraf 315c Absatz 1 Nummer 1 a und Paragraf 316 Strafgesetzbuch (StGB) stehen vor allem folgende Gruende entgegen: Geringere Anforderungen an die Messpraezision des Analysenwertes durch Bestimmung von nur 2 Einzelwerten. Wegen der fehlenden Konvertierbarkeit der Atemalkohol- und der Blutalkoholkonzentrationen gibt es keine Datenbasis fuer die Rueckrechnung, fuer die Beurteilung von Nachtrunkbehauptungen und fuer eine fundiert begruendbare Festlegung eines Beweisgrenzwertes, fuer die Rechtsprechung der Beweisgrenzwert, fuer die Atemalkoholkonzentration muesste unter Beruecksichtigung des in-dubio-pro-reo-Grundsatzes sehr hoch (0,67 mgl) (hoch minus 1) angesetzt werden. - Ueberpruefungen der Alkoholkonzentrationen (Nachuntersuchung) und der Identitaet der untersuchten Atemprobe entfallen; - Zusaetzliche Untersuchungen auf Begleitstoffe, Arzneistoffe und/oder illegale Betaeubungsmittel sind mangels Untersuchungsmaterial nicht moeglich; - Fehlen des aerztlichen Protokolls und damit einer unabhaengigen medizinischen Beurteilung zum Beispiel im Hinblick auf psychophysische Ausfallerscheinungen, Krankheiten und andere; - Im Vergleich zur Atemalkohol (AAK)-Messung im OWi-Bereich koennen im Straftatbereich wechselseitige Benachteiligungen resultieren, welche aus medizinischer Sicht weder hinnehmbar noch begruendbar erscheinen. Der auch vom Bundesgerichtshof (BGH) vertretene Konsens, dass die Rechtsprechung an "medizinisch-naturwissenschaftliche Erkenntnisse gebunden ist, wenn sie allgemein und zweifelsfrei als richtig anerkannt sind", wird verlassen, da nach rechtsmedizinischer Ueberzeugung keine allgemein und zweifelsfrei anerkannten Forschungsergebnisse vorliegen, welche die Einfuehrung der Atemalkoholanalyse bei Verkehrsstraftaten nach Paragraf 315c Absatz 1 Nummer 1 a und Paragraf 316 StGB erlauben wuerde. (A)

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 182-7
  • Serial:
    • Blutalkohol
    • Volume: 39
    • Issue Number: 3
    • Publisher: Bund gegen Alkohol im Strassenverkehr eV
    • ISSN: 0006-5250

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01196067
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 4:19PM