Moeglichkeiten und Grenzen des Strassenverkehrs. Einige kritische und polemische Bemerkungen

Im Beitrag sind Ueberlegungen zur Verkehrsplanung zusammengestellt, die der Autor in den 90er Jahren an verschiedenen Stellen geaeussert hat. Trotz des Eingestaendnisses, dass ihm erst nach den Fehlprognosen zur Motorisierungsentwicklung mit einem Saettigungsgrad von etwa 250 Pkw pro 1.000 Einwohner zunehmend der Konflikt zwischen Zugaenglichkeit des Raumes, insbesondere des staedtischen Lebensraumes, durch das Kraftfahrzeug und der Belastung der Umwelt bewusst wurde, wehrt er sich gegen eine Verteufelung der Verkehrsplaner, die mit der Verteufelung des Automobils einhergeht. Es war eine unheilvolle Allianz von Stadt- und Verkehrsplanern, die, gestuetzt durch die damalige Gesellschaft, zu zahlreichen Fehlern gefuehrt hat. Die Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg, der zerstoerte Staedte hinterliess, knuepft an die Zeit nach dem 1. Weltkrieg an, in der bereits die Faszination des Autos begonnen hatte. Die heutige Gesellschaft will auf das Automobil nicht verzichten. Daher besteht die Aufgabe der Verkehrsplaner darin, die mit diesem Verkehrsmittel verbundenen negativen Wirkungen zu vermeiden. Es geht um die Erhoehung der Sicherheit, die Reduktion der Schadstoff- und Laermbelastungen und des Energieverbrauchs, also um die Erhaltung und Verbesserung der humanen und natuerlichen Lebensgrundlagen. Wenig Hoffnung ist jedoch hinsichtlich der effizienten Handlungsfaehigkeit der Politik angebracht. Im Zentrum der Diskussion stehen immer noch die zwei Strategien Individualverkehr vermeiden und/oder verlagern. Wie die Erfahrungen zeigen, ist die Vermeidung von Fahrten im motorisierten Individualverkehr weitgehend eine Illusion. Auch Strategien zur Verlagerung von Fahrten auf den oeffentlichen Verkehr oder gar auf das Fahrrad haben ihre Grenzen. Zur Entlastung der Wohngebiete ist die Konzentration des Verkehrs auf wenige Hauptverkehrsstrassen notwendig. Dies zwingt zum Einsatz einer intelligenten Technik und zur Priorisierung des oeffentlichen Verkehrs, sofern er im Strassenraum als Strassenbahn oder Bus gefuehrt wird. Wenn nicht auf das Auto verzichtet wird, wird es eben weiter darum gehen, jene Probleme zu loesen, die ohne das Auto gar nicht da waeren. Notwendig sind folgende drei wesentliche Strategien, Instrumente oder Massnahmen: 1. Sinnvoller Neu- und Ausbau der Verkehrswege; 2. Ausschoepfung aller technischen Moeglichkeiten zur Verbesserung der Fahrzeuge; 3. Nutzung marktwirtschaftlicher Instrumente. Der Neu- und Ausbau bezieht sich auf den Bau von Umgehungsstrassen und in bestimmten Bereichen auf den Neubau, insbesondere aber auf die mehrstreifige Erweiterung der Autobahnen. Werden sensible Naturraeume tangiert, muessen Tunnelloesungen gewaehlt werden. Die Autofahrer sind auch bereit, fuer derartige Loesungen mehr zu bezahlen, sei es durch eine Erhoehung der Mineraloel- oder der Kraftfahrzeug-Steuer. Die heute noch vierstreifigen Autobahnen muessen auf sechs Fahrstreifen erweitert werden. Damit soll durch den Abbau von Zeitverlusten die Attraktivitaet erhoeht werden. Als Attraktivitaetsminderung der Autobahnen muessen auch Geschwindigkeitsbeschraenkungen gesehen werden. Strassenbenutzungsgebuehren muessen, sollen sie als marktwirtschaftliches Instrumentarium eingesetzt werden, flaechenhaft, zeit- und fahrleistungsabhaengig sein. Eine durchgreifende Verbesserung der Umwelt wird nur moeglich sein, wenn sich Umweltplanung und Umweltschutz in einem erheblich staerkerem Mass als bisher auf die Fahrzeugtechnik ausrichten. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD-Nummer D346630. (KfV/A)

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 401-10
  • Monograph Title: Perspektiven der Verkehrssystemplanung. Festschrift fuer Peter Cerwenka
  • Serial:
    • IVS-SCHRIFTEN
    • Issue Number: 14
    • Publisher: OESTERREICHISCHER KUNST- UND KULTURVERLAG

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01195884
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 3-85437-237-X
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 4:15PM