Privat auf der Insel: Bahnen in England

Der Artikel zeichnet die Entwicklung des Schienenverkehrs im Vereinigten Koenigreich seit der Zerschlagung und Privatisierung von British Rail im Jahr 1994 nach. 25 bis 30 Jahre alt sind in der Regel die Zuggarnituren. In Suedengland fahren die aeltesten, sie sind sogar 30 bis 50 Jahre alt und haben elektrische Anschluesse und Leitungen in ihrem Inneren, die 60 bis 70 Jahre alt sind. Doch es gibt auch Erneuerungen. Virgin Trains, der zweitgroesste Bahnbetreiber, bestellt fuer seine West Coast Main Linie 53 Zuege eines "Pendolino Britannico" beim Unternehmen Fiat Ferroviaria. Die Neigezuege werden ab Mai 2005 mit 225 Stundenkilometern zwischen London und Glasgow/Edinburgh unterwegs sein. Weiters hat Virgin 78 mit Diesel betriebene Schnellzug-Garnituren bei Bombardier in Auftrag gegeben. Sie sollen mit Tempo 200 die Cross-Country-Linie befahren. In wenigen Jahren sollen auf diesen Strecken die alten Garnituren ausgewechselt sein und insbesondere fuer die erste Klasse wird es einen Service geben, der jenem im Flugverkehr aehnlich ist. Dementsprechend naehern sich auch die Preise jenen des Flugverkehrs an. Fuer die Kunden ist es schwierig geworden, eine Fahrkarte zu erwerben. Jeder Schalterangestellte will die Fahrkarte seines eigenen Unternehmens verkaufen. Virgin ist der teuerste Anbieter, bietet dafuer Komfort und Schnelligkeit. Auf denselben Strecken gibt es jedoch auch billigere Anbieter. Die Privatisierung hat die Macht der Gewerkschaft zerschlagen, aber den Fahrgaesten hat sie keine Vorteile gebracht. Sie fahren heute teurer als frueher und Arbeitsplaetze hat die Privatisierung lediglich bei den Rechtsanwaelten geschaffen. Railtrack ist fuer das 32.000 Kilometer lange Schienennetz, die Signale und die Bahnhoefe zustaendig. Diese Infrastrukturgesellschaft steht immer noch vor der grossen Aufgabe, die in aeusserst schlechtem Zustand befindliche Infrastruktur zu modernisieren. Die Signalanlagen werden beispielsweise immer noch manuell bedient, zu weiteren Elektrifizierungen wird es nicht kommen. Seit Jahren arbeitet Railtrack an der Modernisierung des Bahnhofs von Leeds und legt dabei fuer Wochen den Eisenbahnverkehr lahm, wofuer den Bahnbetreibern hohe Schadenersatzahlungen geleistet werden muessen. Auch die Eisenbahnindustrie ist mit der Privatisierung von British Rail unzufrieden. Die Vertraege, die mit den Betreibern geschlossen werden, sind investitionsfeindlich. Ihre Laufzeit betraegt nur vier oder sieben Jahre. Lediglich Virgin Trains konnte einen 15-Jahres-Vertrag aushandeln. In jeweils eigenen Rubriken werden die Zerschlagung von British Rail, die Geschichte von Railtrack und der Mischkonzern, zu dem Virgin Trains gehoert, dargestellt. Heute teilen sich 25 Gesellschaften den Betrieb des Personenverkehrs und zwei Gesellschaften jenen des Gueterverkehrs. Railtrack wurde 1996 privatisiert und ging an die Boerse. Statt Geld in die ueberfaellige Sanierung des Gleisnetzes zu stecken, zahlte Railtrack hohe Dividenden. Der Staat bezahlt jaehrlich 2,43 Milliarden Euro Subventionen fuer Verbesserungen im Schienennetz. Damit zahlt er mehr fuer die Eisenbahn als zu Zeiten der staatlichen British Rail. Nach einer Haeufung von Unfaellen machte Railtrack im Fruehjahr 2001 erstmals Verluste. Als im Oktober 2001 der Wert der Aktie unter den Ausgabekurs von 1994 fiel, stellte der Verkehrsminister die Gesellschaft wegen drohenden Bankrotts unter die Aufsicht der Regierung. Auslaendische Investoren zeigen dennoch grosses Interesse an Railtrack. (KfV/A)

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 23-5
  • Serial:
    • VERKEHR & UMWELT
    • Volume: 15
    • Issue Number: 5-6
    • Publisher: N. J. SCHMID VERLAG GES.M.B.H.
    • ISSN: 1019-7346

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01194993
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 3:58PM