Doppelleben im Berufsverkehr. Seelisch Mobile fahren am sichersten

Die morgendliche Wandlung vom Privatmann zum Arbeitnehmer oder selbststaendig Berufstaetigen in der Arbeitswelt gestalten die einzelnen Menschen unterschiedlich. In der tiefenpsychologischen Studie zur Praevention von (Dienst-)Wegeunfaellen wurden sechs typische Strategien des Uebergangs gefunden, wobei jeder Verkehrsteilnehmer mehrere dieser Formen im seelischen Repertoire hat: 1. Behagliches Moratorium (das Auto wird zum zweiten Wohnzimmer, in dem man sich sicher und unbeobachtet fuehlt); 2. Glattes Durchkommen (man wuenscht sich, durch den Verkehr zu gleiten wie ein Messer durch weiche Butter, man richtet sich deshalb nach Staumeldungen und fuehrt gewiefte Ausweichmanoever aus); 3. Kampf gegen die Uhr (die Widerfahrnisse des Alltags werden offensiv angegangen, Aerger wird unterwegs foermlich gesucht, da er eine dynamisierende Wirkung ausuebt); 4. Verkehrsorientierung (insbesondere aengstliche und ungeuebte Fahrer orientieren sich stark am Verkehr, wollen alles richtig machen und dadurch verhindern, dass etwas passieren koennte); 5. Pralle Lebensfuelle (wird der taegliche Weg zur Arbeit als langweilig empfunden, wird versucht, sich erregende Erlebnisse zu verschaffen, wozu sich allerdings im Pkw wenig Gelegenheiten ergeben); 6. Betriebsamkeit (waehrend der Fahrt kann man sortieren, Besprechungen planen oder eine Aufgabenliste erstellen). Insgesamt stehen die Verkehrsteilnehmer halb im Verkehrsgeschehen, halb sind sie mit anderen Dingen beschaeftigt. Die Nebentaetigkeiten lenken zwar vom direkten Verkehr ab, fuehren in der Regel aber erst zu Unfaellen, wenn sie das Verkehrsgeschehen zu stark dominieren. In der zweiten Studie "Qualitative Wirkungsanalyse von Fahrstilen" wurden drei Autofahrer-Typen (von insgesamt neun) gefunden, deren Fahrverhalten am ehesten als vorbildlich gelten kann: der "Kapitaen", der "Vermittlungskuenstler" und der "Wendige". Hoeher ist das Risiko beim "Aufmotzer", beim "First-Class-Fahrer" und beim "Stress-Manager". Fuer den "Pragmatiker" ist Auto fahren eher eine Pflichtuebung; die Steigerung ist der "Rechtschaffene". In zukuenftigen Kampagnen sollten diejenigen Fahrertypen als positiv dargestellt werden, deren Fahrstil mit sicherem Verhalten uebereinstimmt,

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 4-7
  • Serial:
    • DVR-REPORT
    • Issue Number: 3
    • Publisher: DEUTSCHER VERKEHRSSICHERHEITSRAT E.V.
    • ISSN: 0940-9025

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01194278
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 3:44PM