Mehr Strassen - mehr Verkehr? Ergebnis einer endlosen Diskussion

Im ersten Teil des Vortrags wird versucht, die Aussage "Wer mehr Strassen saet, wird mehr Verkehr ernten" zu entmystifizieren und verkehrsplanerisch zu relativieren. Im zweiten Teil wird auf staurelevante Themen aus der praxisbezogenen Arbeit des Autors im Rahmen des oesterreichischen Verkehrsministeriums eingegangen und ein Ausweg aus dem Reformstau der Verkehrspolitik vorgeschlagen. Es muss zwar grundsaetzlich von der Existenz eines strasseninfrastrukturbedingten Neuverkehrs ausgegangen werden, doch ist er mengenmaessig geringfuegig und haengt von der Art der Massnahme und dem Mass des Nachfrageueberhangs ab. In Richtlinien hat der Neuverkehr als mengenmaessig zu beachtende Groesse noch keinen Niederschlag gefunden. Dagegen wird er in manchen Verkehrsprognosen bereits beruecksichtigt. Als verkehrslenkende Massnahme wird zunehmend eine Staumaut, insbesondere fuer Staedte, vorgeschlagen. Jeder Kfz-Lenker, der durch Benutzung des knappen Guts Strasse einen Stau erzeugt, soll zahlen. Es ist zwar positiv zu werten, dass auch im Strassenwesen der Knappheits- und Effizienzgedanke Eingang findet, aber beim Propagieren solcher Instrumente sollte mehr auf die Realisierbarkeit geachtet werden. Gegen die bewusste Erzeugung von Kapazitaetsengpaessen sprechen unter anderem die erhoehte Umweltbelastung, der hoehere Energieverbrauch und die betriebs- und volkswirtschaftlichen Verluste, die der Stau erzeugt. Strassen sollten weiterhin nicht auf "Staufreiheit" hin, sondern auf eine "Spitzenstunden-Belastung" hin dimensioniert werden. Staus im Verkehrsbereich gibt es bei der Realisierung von Ausbauwuenschen und bei den finanziellen Mitteln, die zur Verfuegung stehen, nicht zuletzt aufgrund der dramatisch hohen Verschuldung. In Deutschland wurde im Februar 2000 das Anti-Stau-Programm 2003 bis 2007 vorgestellt. Die Finanzierung der Beseitigung von Engpaessen soll ausschliesslich mit zusaetzlichen Mitteln erfolgen. In Oesterreich gibt es ein solches Programm nicht, doch enthaelt das Autobahn-Sanierungsprogramm aehnliche Elemente wie das deutsche Programm. Die zunehmenden Engpaesse im Strassenwesen werden durch die den zunehmenden Strassenverkehr erzeugenden Menschen und die Verkehrspolitik verursacht. Die Verkehrspolitik der letzten Jahre war von zu viel Ideologie, von den Leitbildern Verkehrsvermeiden und Verkehrsverlagern gepraegt. Auch wenn es gelingen sollte, wie in Deutschland ein Anti-Stau-Programm zu starten, muss klar sein, dass es den Stau aufgrund der zu erwartenden starken Zunahme des Verkehrs auch in Zukunft geben wird. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD D353031. (KfV/A)

  • Authors:
    • Estermann, G
  • Publication Date: 2001

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01193707
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 3:16PM