Raum, Siedlung und Verkehr als System

Siedlung und Verkehr werden in der oeffentlichen Diskussion haeufig als voneinander unabhaengige Bestimmungsfaktoren der Raumentwicklung betrachtet. Die Standorttheorie besagt, dass die Standortkonkurrenz bewirkt, dass sich an den Standorten mit der besten Erreichbarkeit jene Flaechennutzungen durchsetzen, die die Erreichbarkeitsverhaeltnisse wirtschaftlich am besten nutzen koennen. Die Verdraengung der Wohnbevoelkerung aus den Stadtzentren durch Handels- und Dienstleistungsbetriebe war fuer diese Konkurrenzsituation lange Zeit kennzeichnend. Die Entwicklung der staedtischen Grundstueckspreise und die stark steigende Pkw-Ausstattung der Haushalte bewirkten vor dem Hintergrund sich aendernder Produktionsweisen einen Suburbanisierungsprozess mit massiven Veraenderungen des raeumlichen Verteilungsmusters von Wohnungen, Arbeitsstaetten und Handelseinrichtungen, was von einem rapiden Ansteigen des Verkehrsaufkommens begleitet wurde. Dieser Prozess kann auch fuer die Linzer Stadtregion beobachtet werden. Die aktuellen Daten zeigen, dass inzwischen bereits die Gemeinden im zweiten Siedlungsring um Linz die staerksten Bevoelkerungszuwaechse aufweisen. Diese flaechenmaessige Ausdehnung der Stadtregion war kaum an den Netzen des oeffentlichen Verkehrs orientiert und bewirkte bei insgesamt stark steigendem Gesamtverkehrsaufkommen eine Abnahme des oeffentlichen Verkehrs. Das gegenwaertige Raumsystem ist durch ein Verkehrssystem gekennzeichnet, das zumindest waehrend der Spitzenstunden die vorhandene Leistungsfaehigkeit der Verkehrswege ueberschreitet, und ein Siedlungssystem, das noch beachtliche Baulandreserven fuer den Wohnungsbau und die Betriebsansiedlung beinhaltet. Die uneingeschraenkte Nutzung der vorhandenen Baulandreserven birgt die Gefahr in sich, dass laengerfristig trotz infrastruktureller Ausbaumassnahmen keine spuerbare Verbesserung der Verkehrssituation erreicht wird. Siedlungs- und Verkehrssystem muessen deshalb zukunftsorientiert als sich wechselseitig beeinflussende Teile eines Raumsystems entwickelt werden. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD D353031. (KfV/A)

  • Authors:
    • KNOETIG, G
  • Publication Date: 2001

Language

  • German

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Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01193699
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 3:16PM