Probleme bei Fussgaengerquerungen

Rund 11 Prozent der Verkehrsunfaelle in Oesterreich sind Fussgaengerunfaelle. In den meisten Faellen handelt es sich dabei um Zusammenstoesse zwischen Fussgaengern und Autofahrern. Rund ein Fuenftel der Fussgaengerunfaelle ereignet sich auf Schutzwegen, wobei das Verhaeltnis der geregelten zu den ungeregelten Fussgaengeruebergaengen 1 zu 1,7 betraegt. Waehrend die Fussgaengerunfaelle aufregelten Schutzwegen im Zeitraum 1993 bis 2002 kontinuierlich abnahmen, ist bei ungeregelten Schutzwegen ein gegenteiliger Verlauf festzustellen, naemlich ein Plus von 21 Prozent im Jahr 2002 gegenueber 1993. Fussgaengerunfaelle auf Schutzwegen sind unter anderem auf die "Nichtbeachtung der Vorrangbestimmung" zurueckzufuehren. Fussgaenger haben in Oesterreich seit 1960 auf dem Schutzweg Vorrang. Im Jahre 1977 wurde die ausdrueckliche Anhaltepflicht des Lenkers vor einem Schutzweg eingefuehrt. Seit 1994 gilt der Vorrang fuer Fussgaenger bereits dann, wenn sie diesen erkennbar benutzen wollen. Das Anhalteverhalten der Fahrzeuglenker ist stark von der jeweiligen Situation abhaengig. Im Rahmen einer Pilotstudie wurde 2002 an 2 Wiener Strassen das Kfz-Anhalteverhalten bei Schutzwegen beobachtet. In der Auhofstrasse mit geringer Fussgaengerdichte hielten 72 Prozent der Fahrzeuglenker an und in der Landstrasser Hauptstrasse mit hoher Fussgaengerdichte 78 Prozent. Je weiter ein Fussgaenger vom Schutzweg entfernt steht, desto geringer ist auch die Anhaltewahrscheinlichkeit des Fahrzeuglenkers. Die geringe Anhaltewahrscheinlichkeit der Fahrzeuglenker ist auf den Unwillen der Fahrer, dem Fussgaenger Vorrang zu geben und auf Fehleinschaetzungen der Fahrer aufgrund der verkehrlichen und baulichen Situation im Strassenumfeld zurueckzufuehren. Die Fussgaengeruebergaenge verdienen den Namen "Schutzweg" nicht, denn Fussgaenger sind auf diesen Zebrastreifen nicht geschuetzt. Allein im Jahr 2002 ereigneten sich 734 Fussgaengerunfaelle an ungeregelten Schutzwegen. Als Grundlage fuer die Erarbeitung von Massnahmen zur Erhoehung der Sicherheit auf Schutzwegen soll die neue Richtlinie "RVS 3.12 Fussgaengerverkehr" dienen, die noch im Jahr 2003 veroeffentlicht werden soll. Als Querungshilfen gelten strassenbauliche Massnahmen wie Gehsteigvorziehung, Mittelinsel beziehungsweise Fahrbahnteiler und vertikale Querungshilfen beziehungsweise Aufpflasterungen, verkehrsrechtliche Massnahmen wie signalgeregelte und nicht signalgeregelte Schutzwege sowie niveaufreie Loesungen beziehungsweise Unter- und Ueberfuehrungen. Die neue RVS 3.12 soll die Auswahl fuer die richtige Querungshilfe fuer Fussgaenger erleichtern. Ein Schutzweg ist demnach prinzipiell nur dort vorzusehen, wo eine Mindestzahl von Fussgaengern pro Stunde die Strasse queren will und wo ein entsprechendes Fahrzeugaufkommen zu verzeichnen ist. Ein Schutzweg ohne Lichtsignalanlage ist prinzipiell nur dort vorzusehen, wo nicht mehr als ein Fahrstreifen pro Fahrtrichtung zu ueberqueren ist. Zu den Beurteilungskriterien gehoeren: Fussgaenger pro Spitzenstunden, Fahrzeuge pro Spitzenstunde, zeitliches Auftreten der Fussgaenger, Benutzergruppe, Wunschlinien der Fussgaenger, zulaessige Hoechstgeschwindigkeit und Sichtweite. Unter- beziehungsweise Ueberfuehrungen sind grundsaetzlich nur in Ausnahmefaellen zu errichten. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD D346987. (KfV/A)

  • Authors:
    • ROBATSCH, K
  • Publication Date: 2003

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01193654
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 3:15PM