Aggressionen im Strassenverkehr

Das Ziel des vorliegenden Projekts ist, die Entstehungsbedingungen und die Haeufigkeit des Auftretens von aggressiven Episoden auf Autobahnen zu bestimmen. Durch Beobachtungen und Befragungen wird analysiert, wann und auf welche Art sich Fahrer aggressiv und ruecksichtslos verhalten. Experimentelle Fahrten im Realfahrzeug und im Fahrsimulator zeigen auf, wie sich "aggressive" Fahrintentionen in Fahrverhalten umsetzen und wann das Fahrverhalten eines anderen als "aggressiv" erlebt wird. Mit Hilfe einer Verkehrssimulation wird untersucht, welchen Einfluss verkehrliche Parameter wie Verkehrsdichte und Verkehrszusammensetzung auf die Auftretenshaeufigkeit von aggressiven Episoden haben und wie effizient unterschiedliche Interventions- und Praeventionsmassnahmen sein koennen. Eine Fahrerbefragung ergibt, dass aggressives Fahren ein sehr haeufiges Verhalten ist. Ueber 50 Prozent der Fahrer geben an, Aggressionen oft oder sehr oft zu erleben. Nach den Erkenntnissen der Polizei sind aggressive Verhaltensweisen auf der Autobahn sehr gefaehrlich und in den letzten Jahren haeufiger geworden. Vor allem Maenner und Fahrer hoeherklassiger Fahrzeuge fallen in diesem Zusammenhang negativ im Strassenverkehr auf. Ueber 80 Prozent der Fahrer halten die Wahrscheinlichkeit, dass ein draengelnder Fahrer von der Polizei entdeckt wird, fuer sehr gering oder gering. Dies zeigt, dass ein erheblicher Problemdruck besteht. Die Frage nach dem Zusammenhang von individuellem Verhalten der Verkehrsteilnehmer und Auswirkungen auf den gesamten Verkehrsfluss legt ein besonderes methodisches Vorgehen innerhalb der Studie nahe. Nachdem das Verhalten der Fahrer im Rahmen des Projekts durch experimentelle Fahrten im Fahrsimulator und im Realfahrzeug betrachtet wurde, werden die Ergebnisse in ein psychologisches Wirkmodell der Entstehung und des Auftretens von Aggressionen im Strassenverkehr eingebettet. Dieses Wirkmodell erlaubt die Untersuchung der Haeufigkeit, der Ursachen und der Folgen aggressiven Verhaltens im Verkehr. Welche Situationen nehmen Fahrer als Konflikte wahr? Wann und wie reagieren sie - unter Umstaenden aggressiv - darauf? Die Auswirkungen aggressiven Verhaltens auf den Verkehr und die Abhaengigkeiten aggressiven Verhaltens von verschiedenen Verkehrscharakteristika werden in einem zweiten Schritt mit einem Programm zur Verkehrsflusssimulation bestimmt. Mit PELOPS steht ein Programm zur Verfuegung, das den Verkehrsablauf in einem Strassennetz realistisch beschreiben und simulieren kann und sich dabei an den drei wesentlichen Elementen des Verkehrssystems orientiert: Strecke/Umwelt, Fahrer und Fahrzeug. Die Kombination aus Verkehrssimulation und psychologisch validiertem Fahrermodell erlaubt die Simulation und Erfassung der emotionalen Belastung der Verkehrsteilnehmer und der Haeufigkeit aggressiver Episoden unter Variation verschiedener Randbedingungen (zum Beispiel Verkehrsdichte, Geschwindigkeitsbeschraenkungen, Fahrercharakteristika etc.). Innerhalb des entwickelten Modells des aggressiven Fahrers gibt es drei Entstehungsbedingungen fuer Aerger beim Fahren: Dies sind die (1) Differenz zwischen der Geschwindigkeit, die der Verkehrsteilnehmer fahren moechte, und jener, die er aufgrund der verkehrlichen Umstaende fahren kann, (2) vorausfahrende Fahrzeuge, die trotz einer ausreichenden Luecke auf der rechten Spur nicht ausweichen, und (3) aggressiv herannahende draengelnde Fahrer. Der entstehende Aerger fuehrt in bestimmten Situationen zu einer Veraenderung der Wahrnehmung anderer Verkehrsteilnehmer und zu einer veraenderten Annaeherung an vorausfahrende Fahrzeuge mit gegebenenfalls zu nahem Auffahren und Draengeln. Diese Verhaltensaenderungen wirken auf das Verkehrssystem und den Verkehrsablauf zurueck. Diese Rueckkopplung wird ueber die Verkehrssimulation messbar und einer quantitativen Untersuchung zugaenglich. Massnahmen gegen aggressives Verhalten im Strassenverkehr werden in Anbetracht der gewonnenen Erkenntnisse abgeleitet und diskutiert. Bericht zum Forschugnsprojekt 82.122/1997 (ITRD-Nummer D706902) der Bundesanstalt fuer Strassenwesen. Titel in Englisch: Aggression on the road.

  • Availability:
  • Authors:
    • MAAG, C
    • KRUEGER, H -
    • BREUER, K
    • BENMIMOUN, A
    • NEUNZIG, D
    • EHMANNS, D
  • Publication Date: 2002-12

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01193373
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 3:09PM